"Das ist verrückt" und ein "Witz"

"Zug fällt heute aus", stand auf den Anzeigetafeln an den Bahnsteigen, dazu gab es etwa alle 30 Minuten entsprechende Lautsprecherdurchsagen. Bild: Steinbacher

"Kroatien - Emotionen pur": Das steht auf einem Werbeplakat für Urlaubsreisen per Zug, das im Fahrkartenschalter am Bahnhof hängt. Emotionen pur gab es gestern auch ohne Kroatien-Touren just an dieser Stelle. Wegen der ausgefallenen Züge in Amberg ohne jeden Schienenersatzverkehr.

So gesehen hatte der Sturm am Dienstag in der Vilsstadt ganze Arbeit geleistet: Von Mittag bis zum Abend lagen die Bahnverbindungen nach Nürnberg und Schwandorf völlig brach. Das sind immerhin die zwei Hauptrichtungen, die man benutzen muss, um in diese Städte und praktisch alle weiterführenden und auf den Strecken liegenden Orte zu gelangen.

"Das ist verrückt - so was habe ich noch nie erlebt", wetterte zum Beispiel Ernst Guttenberger, der zu seinem Sohn nach München fahren wollte, um mit ihm und dem Enkel die fast zeitgleichen Geburtstage zu feiern. Bis Schwandorf schaffte es der Senior noch, kurz bevor alle Verbindungen aus Amberg gestrichen wurden. Aber dort kam Guttenberger dann per Zug nicht weiter und musste die Enkelin in Burglengenfeld anrufen, um sich von ihr per Pkw nach Amberg zurückbringen zu lassen.

"Also, ich finde es unmöglich, dass keine Ersatzbusse eingesetzt werden", schimpfte auch Gertrud Högl, die umgekehrt von Nürnberg zu einem Termin in die Vilsstadt gefahren war und nun nachmittags hier festsaß. Sie hatte die Wahl, entweder auf die Abfahrt ihrer zwei Schwestern zu warten, die am späten Abend wegen einer Urlaubsreise mit dem Auto zum Nürnberger Flughafen starteten oder aber ihren Ehemann nach seinem Dienst nach Amberg zu bitten, um sie per Pkw abzuholen.

Viele Pendler betroffen

Apropos Arbeit: Dieses Schicksal, selbst für die Heimfahrt zu sorgen, traf gestern auch viele Berufspendler, die morgens mit dem Zug nach Nürnberg, Fürth oder Erlangen aufbrachen und ab Nachmittag wieder in den Amberg-Sulzbacher Raum zurückmussten. "Das ist ein Witz - da kann man doch Busse organisieren", kritisierte eine Frau vom Kochkeller den nicht vorhandenen Schienenersatzverkehr, den es andernorts gab. Sie wollte wie jeden Tag nach Schwandorf, um ihren dort lebenden älteren Vater zu versorgen - unter anderem mit Tabletteneinnahme, wie die Mittfünfzigerin erzählte.

Bis Abend keine Alternative

"Die Bahn muss doch imstande sein, so etwas hinzubringen, zumal man die Situation seit Stunden kennt und der Sturm schon gestern angekündigt war", schüttelte die Ambergerin verständnislos den Kopf. Auch darüber, dass es die DB bis zum Abend nicht schaffte, irgendwelche Alternativen anzubieten. Nach Schwandorf existiert nicht mal eine reguläre Busverbindung, so dass Leuten, die dahin wollten, tatsächlich nur Autos und Abholwünsche an Bekannte blieben. Taxis und Mietwagen waren wegen der riesigen Nachfrage ebenso schwer zu bekommen.
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