Das Leben aktiv gestalten

Ein optimistischer und im positiven Sinne kämpferischer Henning Scherf: "Kinder sind die beste Lebenshilfe für uns Alte." Bild: gf

Die ältere Generation hat viele kreative Potenziale. Die soll sie auch nutzen, fordert Henning Scherf.

Es ist schon ein besonderes Vergnügen, Henning Scherf zuzuhören, einem der größten Politiker der Republik, nicht nur wegen seiner Körpergröße von über zwei Metern. Dr. jur. ist Henning Scherf, Rechtsanwalt und fast drei Jahrzehnte gestaltete er maßgeblich den Stadtstaat Bremen mit, war dort auch Erster Bürgermeister und Senatspräsident.

Bürgernähe lebte Henning Scherf und wollte keine Sicherheitskräfte um sich haben. Bürgernähe zeigte er auch im Evangelischen Gemeindezentrum, begrüßte jeden Zuhörer per Handschlag, die Damenwelt wurde sogar umarmt.

Vor einer Woche, am Reformationstag, wie es sich für einen Lutheraner gehört, feierte Henning Scherf seinen 76. Geburtstag. Dieses Alter genießt er, aber tatsächlich fühle er sich 20 Jahre jünger, wie er mit einem Lächeln anmerkt und wie ein Jugendlicher mit den Füßen schaukelnd auf den Tisch sitzt. "Wir werden immer älter", meinte der Referent, "und die Mädchen, die heute zur Welt kommen, haben durchaus Chancen, so um die 100 Jahre alt zu werden."

Mit der Verlängerung der Lebenszeit verkürze sich die Zeit der Pflegezeit. "Wir Alten", so Henning Scherf, "dürfen uns nicht dem Schicksal ergeben, perspektivlos und jammernd in der Ecke sitzen, sondern es ist unsere Aufgabe, für die Gesellschaft unser Leben aktiv zu gestalten."

Die ältere Generation habe viele kreative Potenziale. Er selbst habe mit 67 Jahren 28 Jahre politisches Leben beendet. Nun gehe er jede Woche in eine Grundschulklasse mit überwiegend nicht deutschsprachigen Kindern im Alter von etwa zehn Jahren, lese ihnen vor oder horche sich die Alltagssorgen an. "Wenn deren Eltern wüssten, was mir alles aus den Familien erzählt wird, es gebe einen Aufstand."

Als er seine politische Laufbahn abgeschlossen hatte, wurde er zum Präsidenten des deutschen Chorverbands gewählt. Einer 30-köpfigen Malergruppe habe er sich angeschlossen, die von einer 95-Jährigen geleitet werde. Selbst Menschen mit Alzheimer könnten malen. Alte dürften nicht ausgeschlossen werden, es müssten ihnen altersgerechte Aufgaben angeboten werden.
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