Das russlanddeutsche Ehepaar Lidija und Andrej Ber feiert Eiserne Hochzeit
Das ist lebende Zeitgeschichte

Bürgermeister Martin Preuß (rechts) gratulierte Lidija und Andrej Ber, die 1993 vom Fuße des Ural nach Amberg gezogen waren. Bild: lev
Amberg. (lev) "Was sollen wir streiten? Wir waren immer gut versorgt, er hat sich immer um mich gekümmert", erzählte Lidija Ber auf die Frage, ob sie mit ihrem Mann Andrej in 65 Ehejahren viel gestritten habe. Am 1. Mai feierten sie Eiserne Hochzeit. Beide stammen aus russlanddeutschen Familien. Wäre das Sowjetregime nicht so grausam gewesen, hätten sie sich vielleicht nie getroffen.

Andrejs Familie gehörte zu den Wolgadeutschen, die seiner späteren Frau war auf der Krim ansässig. In den 30er Jahren wurden beide Familien enteignet und deportiert. Ihnen wurde alles, der ganze Besitz samt dem Dach über dem Kopf weggenommen, erzählen beide. Sie und ihre jeweiligen Verwandten wurden zwangsumgesiedelt und landeten so in Karpinsk nahe dem Ural. Dort lernte zuerst der Bruder von Lidija die Schwester von Andrej kennen, verliebte sich in sie, und die beiden heirateten. So lernten sich auch Lidija und Andrej kennen: "Zuerst hatten wir drei Jahre Freundschaft. Nur spazieren, sprechen, Händchen halten. Und dann haben wir geheiratet." Noch ganz jung damals. Sie war gerade erst 20 geworden, er noch 19: "Er war noch ein Rotzbub", lacht Lidija Ber in Erinnerung an ihre Hochzeit.

Seit 1993 in Amberg

18 Jahre lang wohnten sie am Ural, dann beschlossen sie nach Südkasachstan umzuziehen. Dort wohnte ein Bruder von Lidija. Beide arbeiteten ihr Leben lang: Andrej war als Schuster, Fassbinder und am längsten als Lkw-Fahrer tätig: "Ich habe meinen Führerschein seit 1948." Auch Lidija blieb nicht zu Hause: In der örtlichen Chirurgie-Station arbeitete sie als Schwesterhelferin, obwohl sie vier Kinder zu erziehen hatte. "Meine Mutter war immer da und hat mir viel geholfen."

Seit 1993 leben die Bers in Amberg: "In Deutschland geht es uns schon sehr gut", räumen sie freudig ein. Am 1. Mai gratulierte Bürgermeister Martin Preuß dem Paar zu dessen Ehejubiläum und überreichte einen Geschenkkorb sowie eine vergoldete Silbermedaille mit der Patrona Bavaria samt Gratulationsschreiben des Ministerpräsidenten. Ihre Eiserne Hochzeit feierten Andrej und Lidija Ber im Kreise ihrer vier Kinder, 27 Enkel und zwei Urenkel.
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