Das Schatzkastl im Pferdestall

Hans Rahm auf der NSU OSL 251: Sie ist eines seiner Lieblingsmotorräder, selbstverständlich fahrbereit.
 
Prachtvolle Raritäten in gepflegtem Zustand bilden das Herzstück der Sammlung.

Es ist eine eigene Welt. Sauber und ordentlich, alles aufgeräumt in Schränken, Regalen und hellen Räumen. Durch die weht der Hauch der Geschichte, wenn es ihn denn gibt: Hans Rahm hat in Fichtelbrunn ein eigenes kleines Museum zusammengetragen, aus Bauernwerkzeug und Technikgeschichte. Darin fühlt er sich am wohlsten.

Fichtelbrunn. Jetzt sitzt der Hans auf dem fast 60 Jahre alten NSU-Motorrad und erzählt, wie das angefangen hat mit dem Sammeln. Wie es weitergeht, das wird sich erst zeigen. Hans Rahm hat ein Faible für altes Zeug. Und vor allem genug Platz. Denn die Brauerei ist seit vielen Jahren stillgelegt, der Pferdestall noch viel länger, und außer Gras mähen gibt's in der Landwirtschaft nicht viel Arbeit. Aber langweilig wird es dem Hans nicht.

Seit 1972 wohnt der jetzt 68-Jährige in Fichtelbrunn, geboren und aufgewachsen ist er in Högen. Als Brauer und Mälzer hat er beim Bruckmüller gelernt und auch in der Brauerei seiner Frau bis zur Rente gearbeitet. Jetzt widmet er sich noch mehr seinem Hobby: Er hat jede Menge Altertümer auf dem Dachboden und in den Kellern entdeckt.

100 Jahre alte Ski

Im alten Stall stehen sie alle aufgereiht: Da sind zum Beispiel Skier aus Eschenholz, von einem Schreiner geschnitzt und über 100 Jahre alt. Riesige Rechen aus Holz und Metall für die Getreideernte, liebevoll restauriert, hängen daneben. Sensen, Sicheln, Dreschflegel liegen da, ein Ochsen-Zuggeschirr und ein alter Pferdesattel zeugen von längst vergangener, mühevoller Bauernarbeit. Auf den beiden alten Waagen ist früher das Filtergranulat für die Brauerei gewogen worden, sie sehen wieder aus wie neu. Die uralte Seiler-Maschine daneben und die Milch-Zentrifuge ebenfalls.


Einen mächtigen Schleifstein hat Hans Rahm perfekt neu gelagert und mit Motor versehen. Die ganze Geschichte der Landwirtschaft des vergangenen Jahrhunderts findet sich, wenn man nur ein bisschen Geduld hat und sucht. Im ehemaligen Pferdestall nebenan stehen sie dann, Motorrad-Juwelen der Nachkriegszeit, sechs NSU-Modelle, Hans Rahm zählt auf: "500er Consul, 250er Supermax, 215 DSL, 125er Superfox, ZDB 125, Fox 98." Alle sind Baujahr 1951 bis 1957, fahrbereit wie aus dem Zweirad-Laden. Zwei Quicklys, eine Triumph Knirps, viele andere Mopeds und Motorräder stehen dort, ein enormer Wert für Sammler. Rahm hat alle eigenhändig restauriert.

1975 begann er mit einer 54er Fox, seitdem hat ihn das Hobby nicht mehr losgelassen. Klar, dass er zum Oberpfälzer Veteranenclub ging, wo die Gleichgesinnten sich sammeln. Ein paarmal fuhr er mit zum Treffen nach Haidhof, aber bald erwies sich die Brauereiwirtschaft mit Saal, Innenhof und Zelt im Garten als ideales Domizil für Oldie-Fans. Über 20 Jahre pilgern sie schon zweimal pro Jahr in ihr Mekka nach Fichtelbrunn.



Klar, dass Hans Rahm dann auch oft einen seiner Lieblinge auf den Hof schiebt. Eine stattliche Latte an Trophäen hat er schon gewonnen, aber auch den "Eisenarsch-Pokal" für die meisten Kilometer in alten Sätteln. Über 2000 hat er 2014 abgerissen, "meine Konkurrenz kann nicht mehr so, da gewinn' ich jetzt meistens!", freut sich der Oldtimer-Fahrer. Auch für heuer schaut es gut aus.

Im Herbst ist Treffen, dann führt Hans Rahm die Besucher durch sein kleines Museum und in die Schatzkammer. Es könnte durchaus sein, dass im Herbst ein weiterer Edelstein dort steht. Ganz ausschließen mag der Hans das nicht. Dann schaltet er das Licht aus und sperrt zu. Drüben in der Werkstatt wartet eine alte Kreidler auf ihre Wiedererweckung nach der Rettung vor der Schrottpresse. Sie hat gute Chancen. Auf ein zweites Leben in Fichtelbrunn.
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