Das Schlafzimmer im Saal

Katrin Cislaghi, Jan-Georg Joppich und Susanne Scheuerer (von links) kümmerten sich hauptamtlich im Jugendzentrum um die unbegleiteten Flüchtlinge. Bild: hfz

Einer logistischen Meisterleistung kommt die Unterbringung der 31 unbegleiteten Flüchtlinge im Jugendzentrum gleich. Drei hauptamtliche Sozialpädagogen kümmerten sich um das Wohlergehen der Zehn- bis 17-Jährigen. Nicht immer lief alles glatt.

Im Laufe dieser Woche verließen die Jugendlichen aus Afghanistan das Jugendzentrum wieder. Sie lebten über 20 Tage dort, wo Amberger Jungs und Mädels normalerweise in ihrer Freizeit spielen, sich treffen, wo Ferienprogrammpunkte oder Konzerte über die Bühne gehen. Für Katrin Cislaghi und Jan-Georg Joppich, die normalerweise als Sozialpädagogen dort im Einsatz sind, verlief der Berufsalltag für zwei Wochen ganz anders als normal. Und Jugendreferent Dr. Harald Knerer-Brütting sprach seiner Mannschaft ein großes Dankeschön für ihr Engagement aus.

Wie viel Zeit hatten Sie, sich auf die jungen Flüchtlinge vorzubereiten?

Die Informationen kamen sehr kurzfristig. Jugendamtsleiter Richard Donhauser rief uns an, und sagte, dass es sein könnte, dass wir in einer Woche Flüchtlinge aufnehmen müssen. Von offizieller Seite bestätigt wurde es zwei Tage vorher.

Am Dienstag, 16. Juni, kamen sie dann schließlich an. 15 Jugendliche wurden von der Regierung der Stadt zugeteilt und 15 dem Landkreis.

Wir haben uns in diesem Fall gemeinsam mit dem Landkreis dazu entschlossen, die Jugendlichen erst einmal alle im Jugendzentrum unterzubringen.

Was waren Ihre ersten Schritte?

Wir mussten die komplette Erstversorgung organisieren. Das ging von der Bundeswehr bis zum Betriebshof. Es wurden Betten aufgestellt, Essen organisiert. Der komplette Saal wurde zum Schlafzimmer umfunktioniert.

Gibt es für die Aufnahme einen Leitfaden?

Nein, den haben wir uns erst erarbeitet

Was waren die größten Schwierigkeiten?

Das war die Kommunikation. Natürlich haben wir zum Teil mit Dolmetschern gearbeitet, zum Teil konnten die Jugendlichen Englisch. Zum Teil mussten wir aber auch von Deutsch in Englisch und von Englisch in Dari und von Dari in Paschto übersetzen lassen, die beiden Amtssprachen Afghanistans. Jetzt kann man zwar darüber lachen, aber das waren diese Kleinigkeiten, die den Alltag ungemein erschwert haben.

Einmal dachten wir, ein Jugendlicher hätte ein Hautproblem, dabei wollte er nur ein Anti-Schuppen-Shampoo.

Die Jugendlichen wurden in Passau aufgegriffen. Bis dahin waren sie zum Teil schon Monate unterwegs. Haben sie von der Flucht erzählt?

Nein. Uns war es wichtig, dass sie sich wohlfühlen. Wenn sie darüber hätten reden wollen, hätten sie das wohl mit einer festen Bezugsperson gemacht. Das wird wohl erst passieren, wenn sie in den festen Wohngruppen untergebracht sind.

Wie groß war die Ausnahmesituation für Sie?

Mit einem Wort: Das gesamte Jugendamt war an der Ausnahmesituation beteiligt. Die drei Sozialpädagogen im Jugendzentrum waren zu 100 Prozent für die Flüchtlinge da.

Wir hatten auch Unterstützung von vielen ehrenamtlichen Helfern. Die Bereitschaft, zu helfen, war groß, schwieriger gestaltete sich am Anfang die Koordination.

Akzeptierten die Jugendlichen, die normalerweise hier ein- und ausgehen die neue Situation?

Viele riefen an oder schrieben uns über Facebook an. Allgemein hatten sie großes Verständnis. Allerdings ist es für die Akzeptanz auch wichtig, dass ein Ende absehbar war.

Eine Dauerlösung wäre das sicher nicht gewesen.
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