Das stille Örtchen und ein ewiger Kreislauf

Ein kreisrunder Fleck erinnert jetzt noch an die Kamera, Attrappe oder was auch immer das auf der Männertoilette am Busbahnhof war. Bild: Steinbacher
Öffentliche Toiletten umgibt üblicherweise ein rechtes G'schmackl. Ein Besuch erfolgt höchstens aus einem dringenden Bedürfnis heraus, und auch nur, wenn es wirklich nicht mehr anders geht. Der Beigeschmack dieser Geschichte hat ein wenig was von dem unangenehmen Geruch.

Die Örtlichkeit: das Männerklo am Busbahnhof. Der Aufhänger: ein Gerät an der Decke schräg über dem Urinal. Es suggerierte eine Videoüberwachung. Der Hintergrund: Ein junger Amberger fand diese Art der Kontrolle überhaupt nicht gut.

Am Montag, 13. April, berichtete die Amberger Zeitung unter dem Titel "Hallo Kamera, hier unten!" über diverse Geräte in der Innenstadt, die Bewegtbilder festhalten. Zur Kamera über dem Klo befragt, stellte ein Sprecher des Landesamts für Datenschutzaufsicht fest, dass diese dort nicht angebracht werden dürfe, um Persönlichkeitsrechte nicht zu verletzen. Dies gelte auch für Attrappen. Die Außenwirkung: Bei aufmerksamen Lesern setzte plötzlich ein Klo-Tourismus ein. Viele wollten das schwarze halbkreisförmige Ding mit eigenen Augen sehen. Aber kaum war die Kamera auf der Titelseite der Lokalausgabe gelandet, schon war sie auch wieder weg. Das Ergebnis: abmontiert.

Die Beteiligten: schwierig. Denn irgendwie wollte keiner so recht herausrücken mit der Sprache. War diese Kamera, Attrappe oder was auch immer unrechtmäßig an dieser Decke angebracht? Der Zweckverband Nahverkehr Amberg-Sulzbach verwies auf die Pressestelle des Landkreises, von dort bekam man die Auskunft, es doch bei selbiger der Stadt Amberg zu versuchen (weil OB Michael Cerny ZNAS-Vorsitzender wäre). Hier erhielt man den gut gemeinten Hinweis, es doch beim Geschäftsführer des ZNAS zu probieren. Ein wirklich schöner Kreislauf, der noch dazu niemals enden könnte ...

Aber das Ende naht: Es riecht immer noch streng, und es bleiben ein kreisrunder Fleck und eine E-Mail. Am Donnerstag um 8.40 Uhr trudelte die erlösende Nachricht von der Pressestelle des Landratsamtes im Auftrag des ZNAS-Geschäftsführers ein und unterbrach jäh die telefonische Zirkulation: "Die Attrappe wurde von einem Vorgänger im Jahr 2000 zum Schutz vor Vandalismus auf den Toiletten eingerichtet und bis Ende vergangenen Jahres gab es niemanden, der sich daran gestört hätte. Aufgrund der öffentlichen Berichterstattung hat die Attrappe jegliche Abschreckungswirkung verloren und wurde nun abmontiert."

Anmerkung der Redaktion: Das Leben ist mit diesem schwarzen Peter möglich - auch wenn das genau genommen so ganz nicht stimmt. Im Bericht blieb nämlich offen, ob es sich um eine Attrappe oder echte Kamera handelt.

Aber, 'tschuldigung, eine Frage wäre da trotzdem noch zu klären: War diese Attrappe an Ort und Stelle jetzt illegal oder nicht? Womöglich müssen wir wieder die Runde im Telefonkarussell starten. Alles andere wäre ja zu einfach. (roa)
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