Das Theater im Kopf

Repräsentanten der beteiligten Gruppen präsentierten am Montag auf der Bühne des Stadttheaters das Programm der Schultheatertage. Prominente Fans der Reihe sind Bürgermeister Martin Preuß (stehend), Kulturamtsleiter Thomas Boss (rechts daneben) und Kulturreferent Wolfgang Dersch (Dritter von rechts). Bild: Hartl

Die einen wagen sich in die Fußstapfen von Hollywoodgrößen wie Robert Redford und Paul Newman. Die anderen spielen ein Stück, das es eigentlich gar nicht gibt. Keine Frage: Für die Schultheatertage haben sich die Beteiligten wieder einiges einfallen lassen.

Lust auf die inzwischen 23. Auflage machten Vertreter der beteiligten Schulen bei der Programmvorstellung am Montagnachmittag auf der Bühne des Stadttheaters. Elf Aufführungen sind es heuer, von Februar bis Juli, unterstützt von der Sparkasse. Die Auftaktveranstaltung geht am Freitag, 27. Februar, im Stadttheater über die ganz große Bühne, danach spielen die Ensembles in ihren Schulen.

Grundidee der Schultheatertage, "einer sehr schönen Veranstaltung", ist es nach den Worten von Bürgermeister Martin Preuß, "junge Leute dafür zu begeistern, die Bretter zu betreten, die die Welt bedeuten": Die Reihe soll Lust machen auf Theater, aber auch darauf, "kritisch damit umzugehen und miteinander in Dialog zu treten". Allen Mitwirkenden wünschte Preuß viel Freude.

Die haben die Beteiligten ganz offensichtlich schon beim Einstudieren, wie ihre Repräsentanten in lockerer Runde anklingen ließen. Etwa die Akteure der Fach-/Berufsoberschule, deren Stück nach den Worten ihres Vertreters Burkhart Häusler so eigentlich gar nicht existiert. "Es entsteht erst im Kopf des Betrachters", habe viel Wortwitz und sei dabei "so absurd, dass wir Spaß hatten, uns damit zu beschäftigen".

Damit hat diese Gruppe schon erreicht, worum es Kulturreferent Wolfgang Dersch geht: "Die ganze Welt ist eine Bühne" zitierte er eine Binsenweisheit - "und es ist wahnsinnig wichtig, die jungen Leute an diese Weltbühne heranzuführen." Das, weiß Dersch sehr wohl, sei heutzutage gar nicht mehr so einfach - gerade an den Schulen, wenn es darum gehe, zusätzlich zum prallen Pflichtprogramm noch Termine für kulturelle Extratouren zu finden. Hier gebühre allen Beteiligten Dank für ihr Engagement.

Tatsächlich schlägt "die gefühlte und zum Teil auch reale Zeitnot" auf Wahlfächer wie Schulspiel durch, wie Peter Ringeisen (Dr-Johanna-Decker-Schulen) berichtete: Die Theatergruppen - im Fall DJD früher bis zu 25 Leute, heuer noch neun - würden kleiner. "Bei uns ist es eher ein Raumproblem", brachte Brigitte Bodensteiner (Schönwerth-Realschule) einen weiteren Aspekt zur Sprache. "Ihr braucht also noch einen Container", entgegnete Dersch - augenzwinkernd, aber wohl wissend: "Theater braucht auch Lager."

Aus demselben Grund, und weil dort auch die Schulbühne steht, hofft Burkhart Häusler darauf, dass die alte FOS/BOS-Turnhalle nicht, wie oft zu hören sei, abgerissen wird, "sondern uns mindestens noch 35 Jahre erhalten bleibt".

Die Stücke im Überblick

Einige Gruppen haben sich mit literarischen Vorlagen auseinandergesetzt, andere bringen eigene Werke auf die Bühne - oder verknüpfen beides. Zum Auftakt zeigen alle Ensembles am Freitag, 27. Februar, um 19.30 Uhr im Stadttheater Ausschnitte aus ihren Aufführungen. Ab März sind die kompletten Stücke an den jeweiligen Schulen zu sehen (Eintritt frei). Beginn ist, sofern nicht anders angegeben, um 19.30 Uhr:

Freitag, 27. Februar, 19.30 Uhr: Stadttheater Amberg, Auftaktveranstaltung mit Szenenausschnitten aller Schulspielgruppen:
„Theater ist wie Wasser und Brot“ (Simon McBurney)
Dieses Zitat ist nicht nur für viele professionelle Schauspieler ein Leitsatz. Auch für die Laiendarsteller der Amberger Schultheatergruppen ist er ein Ansporn.

Mittwoch, 18. März, 19.30 Uhr: Dr.-Johanna-Decker-Schulen, Gerhardinger Saal; DJD-Theatergruppe 2, 9. bis 12. Jahrgangsstufe und Wahlfach Tanz; Leitung: Peter und Sigrid Ringeisen:
"Spontaneität muss wohlüberlegt sein" (Revue); Improvisationstheater, Tanz und szenische Kurzformen.

Mittwoch, 25. März, 19.30 Uhr: Max-Reger-Gymnasium, Festsaal; Mittel- und Oberstufen-Theatergruppe; Leitung: Diana Schneider;
"Regenesis": 2015 sorgt die Klimaerwärmung für sintflutartige Regenfälle, die die Erde überfluten und die Menschheit auslöschen. Das einzige Relikt, das Millionen Jahre später von den nächsten, höher entwickelten Menschen gefunden wird, ist ein Regenschirm. Doch wofür braucht man den? Die neuen Menschen, auf fünf Kontinente verteilt, sind da ganz unterschiedlicher Ansicht und entwickeln jeweils ihre eigene, groteske Kulturform um das Überbleibsel aus der Vergangenheit. Das geht einige Zeit gut, bis sie darüber in Streit geraten.

Mittwoch, 25. März, 19.30 Uhr. Gregor-Mendel-Gymnasium, Mensa; Theatergruppe 10. bis 12. Jahrgangsstufe, Leitung: Claudia Ried;
„Der Clou“ (frei nach dem gleichnamigen Film): Jonny Hooker ist ein sympathischer Kleinkrimineller, der eines Tages unwissentlich ein Mitglied einer Mafiabande übers Ohr haut. Die Rache des Mafiabosses lässt nicht lange auf sich warten: Dieser setzt Hooker auf die Abschussliste – hat aber nicht damit gerechnet, dass der bald tatkräftige Unterstützung der legendären Gauner Henry und Sam Gondorff bekommt. Ein spannendes Gangsterstück mit einem Schuss „Moulin Rouge“

Mittwoch, 25. März, 19.30 Uhr: Erasmus-Gymnasium, Aula; Theatergruppe Oberstufe; Leitung Elisabeth Bremer; Autor: Joseph Kesselring;
„Arsen und Spitzenhäubchen“ (ein Klassiker des schwarzen Humors): Bei den Schwestern Abby und Martha Brewster findet man immer Trost und eine helfende Hand. Umso erstaunter ist Neffe Mortimer, als er herausfindet, welche Ausmaße diese Nächstenliebe angenommen hat: Einsame, unglückliche und alleinstehende Männer, die eigentlich nur ein Zimmer mieten wollen, kommen in ihren Genuss – ein Glas Holunderwein, verfeinert mit Arsen, Strychnin und Zyankali. Ein lustiger Abend mit beißendem Humor und spritzigen Dialogen.

Donnerstag, 26. März, 19.30 Uhr: staatliche Fach/Berufsoberschule, Turnhalle; Theatergruppe 12./13. Jahrgangsstufe; Leitung Burkhart Häusler, Winfried Sima;
„Balkonszenen“ (von John von Düffel): Eine laue Juni-Nacht. Drinnen feiert man eine rauschende Ballnacht. Hin und wieder entfliehen die Gäste den Verpflichtungen des gesellschaftlichen Lebens, hinaus auf den Balkon: Smalltalk, Lästereien über Abwesende, Liebesgeflüster, in fließenden Übergängen und einander überlagernd. Alte Freundschaften zerbrechen, neue bahnen sich an, es kommt zu unverhofften, manchmal bizarren Begegnungen.

Dienstag, 12. Mai, 19.30 Uhr: Franz-Xaver-von Schönwerth-Realschule, neue Aula; Theaterklasse 5. Jahrgangsstufe und Schultheatergruppe Theaterfieber, 7. bis 10. Jahrgangsstufe; Leitung: Brigitte Bodensteiner, Ellen Bugera, Jörg Grüssner;
"Max und Moritz – reloaded": Auszüge aus Max und Moritz, neu interpretiert von der Theaterklasse; „Wem die Trommel schlägt“ (Krimikomödie), präsentiert von der Schultheatergruppe: Immer wenn die unheimliche Trommelmusik in einem englischen Mädcheninternat ertönt, geschieht ein Mord. Wer steckt hinter dem Mann mit der Maske?

Dienstag, 16. Juni, 19 Uhr: Luitpold-Mittelschule, Medienraum; AG Schulspiel, 5. bis 7. Jahrgangsstufe; Leitung: Maria Treml-Paskowski;
„Diebstahl im Stadtmuseum“ (frei nach C. Kaemmerer): Lea, Tochter des Museumsdirektors, und ihre Freundin Joel klären gemeinsam den Diebstahl eines ägyptischen Amuletts auf. Dabei geraten die beiden in Gefahr, als plötzlich Götterstatuen zum Leben erwachen und sich an der Diebin rächen.

Donnerstag, 18. Juni, 19.30 Uhr: Erasmus-Gymnasium, Aula; Theatergruppe 5. bis 9. Jahrgangsstufe; Leitung: Susanna Rosemann;
"Stadt, Land, Leute – kommt, zeigt uns eure Welt" (frei nach "Die Stadtmaus & die Feldmaus" von Martin Luther): Was passiert, wenn sich eine hippe, ausgeflippte und verwöhnte Stadt-Gang an einem langweiligen Sonntagnachmittag aufmacht, das Landleben, seine Leute und Bräuche zu erkunden? Hier treffen Stoderer und Landerer aufeinander. Die Jugendlichen räumen mit Vorurteilen auf, erkennen Gemeinsamkeiten, Vor- und Nachteile der jeweiligen Lebensräume und schmieden Zukunftspläne.

Mittwoch, 24. Juni, 19.30 Uhr: Gregor-Mendel-Gymnasium, Mensa: Theatergruppe Unterstufe, 5. und 6. Jahrgangsstufe; Leitung: Lena Härteis, Alexandra Jehlicka, Barbara Winkler:
„Das Gespenst von Canterville“ (von Joachim Marschall nach Oscar Wilde): Mr. Otis wird beim Kauf des Schlosses Canterville vor dem Familien-Gespenst gewarnt. Trotzdem zieht der Amerikaner mit seinen Angehörigen ein. Als sich das Gespenst tatsächlich bemerkbar macht, begegnet ihm die Familie mit der Unbekümmertheit aufgeklärter, moderner Menschen.

Donnerstag, 2. Juli, 19.30 Uhr: Max-Reger-Gymnasium, Festsaal; Theatergruppe Unter- und Mittelstufe; Leitung: Bianca Rauchenberger, Nina Kohl;
"Romeo und Julia – reloaded" (von Norbert Franck): Romeo, Sohn eines italienischen Eisverkäufers, verguckt sich in die Gymnasiastin Julia, als er sich bei einer Theaterprobe an ihrer Schule einschleicht. Julia findet trotz aller Vorbehalte Gefallen an dem „Underdog“ Romeo, was bei ihren Schulkameraden auf wenig Verständnis stößt – besonders bei Patrick Prinz, der selbst ein Auge auf Julia geworfen hat. Es kommt zu einem Kampf mit Folgen. Die Sache wird publik und Romeo fliegt von der Schule.

Donnerstag, 16. Juli: Gregor-Mendel-Gymnasium, Mensa; Theatergruppe Mittelstufe; Leitung: Christoph Schulz;
"Espaker Ehsá" (William remixed), Autor: Die Theatergruppe unter freundlicher Mitwirkung von William S.: Was macht eine Theatergruppe, wenn jeder etwas anderes spielen will? Klamauk oder Hass, Happy End oder Realismus, Übersinnliches oder Untergang, Liebe oder Scheitern, Flirt, Duell oder Wahnsinn – elf Spieler, elf Meinungen. Mindestens. Bis die Spieler einen Autor finden, der alle Wünsche erfüllt. Was daraus für ein Stück wird, wissen die Beteiligten selber noch nicht. Diesmal wird aber auf jeden Fall auf Deutsch gespielt.
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