Daumenstock: Die drei Stufen der Qual

Der Fronfeste sehe man bis heute den Zweckbau für den Justizvollzug des 18. Jahrhunderts an. "Peinliche Befragung bei unkooperativem Verhalten, Aufbewahrung bis zur Hinrichtung oder die Kerkerstrafe hatten hier ihren Raum." Die Stadtführerin erklärte, dass ab 1862 Hinrichtungen in geschlossenen, nicht einsehbaren Räumen vollzogen werden mussten. Deshalb seien sie vom Galgenberg in den Hof der Fronfeste verlegt worden.

"15 Mal wurde die Guillotine hier aufgebaut, zuletzt am 18. September 1935". Das Haus selbst sei Zeuge der wechselhaften Justizgeschichte des 18. bis 20. Jahrhunderts. "Bis 1966 saßen regulär Straftäter hier ein." 1806 sei die peinliche Befragung abgeschafft worden, 1948 die Todesstrafe. Daumenstock, Aufziehen und Spitzrutenstreichen: Dies seien von Mitte des 17. bis Anfang des 19. Jahrhunderts drei Methoden der "landsgebräuchlichen Tortur" gewesen.

Als Hannelore Zapf den Gewerbebau-Geschäftsführer Karlheinz Brandelik nach vorne bat, um den ersten Grad der Tortur ("fühlen und zeigen") vorzuführen, reagierte dieser sehr schlagfertig. Der erste Grad der Tortur sei bereits, von Hannelore Zapf um etwas gebeten werden. Zweiter Grad sei gewesen, die Daumenschraube auf- und wieder zuzudrehen. Beim dritten Grad wurde runter- und raufgeschraubt - solange, bis der Delinquent gestand oder seine Unschuld bewiesen war. Unvorstellbar sei das heute, "aber das stand damals so in den Gesetzbüchern". (san)
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