Dealer führt Schuldnerbuch

Ein Glück für die Polizei, dass es noch korrekt arbeitende Drogenhändler gibt. Einer, so offenbarte sich jetzt vor dem Amtsgericht, führte sogar akribisch Buch über säumige Kunden.

Der Mann war als Zeuge geladen, er wurde in Fußfesseln vorgeführt. Wegen seiner Tätigkeit als Rauschgiftdealer hatte der 40-Jährige vor nicht allzu langer Zeit mehrere Jahre Haft kassiert und war außerdem in eine geschlossene Therapie eingewiesen worden.

Bei der Verhandlung vor Richter Peter Jung offenbarte sich nun: Als seinerzeit die Kripo bei ihm durchsuchte, wurde auch ein Schuldnerbuch sichergestellt.

Fein säuberlich gelistet

In der heftartigen Kladde befanden sich sorgfältige Auflistungen: Die Namen säumiger Zahler, daneben Grammzahlen samt Summen, die nicht beglichen wurden und folglich zur Beitreibung noch offen standen. Auch ein nun auf der Anklagebank sitzender Arbeiter war eingetragen worden.

"Fünf Gramm à 85 Euro" konnten die Fahnder lesen. Es handelte sich wohl um Crystal Speed. "Stimmt das so?", wurde der von Polizisten in den Sitzungssaal gebrachte Drogendealer gefragt. Das, ließ er wissen, könne schon zutreffen. Gleichwohl erinnerte er sich konkret nur noch an drei "Lieferungen", die er von Amberg aus zu dem in einem Vorort wohnenden 43-Jährigen gebracht hatte. Das war nicht alles, was die Staatsanwaltschaft dem Beschuldigten vorhielt. Auch bei anderen einschlägig bekannten Leuten aus der Szene hatte er sich offenbar Marihuana und Crystal Speed im Grammbereich beschafft.

Drei Jahre Haft

Eigentlich kein großer Rauschgiftfall für die Justiz. Doch der Arbeiter brachte sechs Vorstrafen mit. Fünf davon wegen Drogenbesitz und -handel. Was sich daraus entwickelte, wurde zu einer Art schicksalhafter Lawine für ihn. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft bekam er zehn Monate Haft "ohne". Das wäre noch nicht das Schlimmste gewesen. Denn bei dem 43-Jährigen stehen zwei Bewährungen offen. Wenn sie nun widerrufen werden, muss er unter dem Strich drei Jahre hinter Gitter.

Fehler gemacht?

Vergeblich stemmte sich Rechtsanwalt Jörg Jendricke gegen diese Verurteilung. Sein Argument: Die Staatsanwaltschaft habe einen Fehler bei der Abfassung der Anklageschrift gemacht. Folglich, so der Verteidiger, könne nur von einem einzigen Fall des Drogenankaufs ausgegangen. Der Rest sei "wegen eines Verfahrenshindernisses" einzustellen. Das allerdings ließ Richter Jung nicht gelten und sprach sein Urteil, das nun die Rauschgiftkäufe des 43-Jährigen für längere Zeit unterbindet.
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