Dem Stein Leben eingehaucht

Die Kreuzigungsgruppe nahe der Bergkirche, unterhalb des Forsthauses: Wer sie nicht kennt, sollte einmal einen Blick darauf werfen, empfiehlt Stadtheimatpflegerin Beate Wolters. Und wer sie schon einmal gesehen hat, darf ruhig noch einmal genauer hinschauen - die ausdrucksstarken Figuren können Betrachter wirklich in ihren Bann ziehen. Bild: Hartl

Wenn man Maria ins Gesicht blickt, kann man die Trauer einer Mutter über ihren Sohn am Kreuz förmlich spüren. Stadtheimatpflegerin Beate Wolters ist fasziniert von der Kreuzigungsgruppe nahe der Bergkirche: Der Schöpfer, der Künstler Joachim Schlott, habe seinen Figuren "wirklich Leben eingehaucht - man vergisst, dass sie aus Stein sind".

Die Darstellung, von der Beate Wolters so schwärmt, findet man unterhalb des Forsthauses am Berg. Hier stehen drei Kreuze im Wald.

Unglaublich ausdrucksstark

Am mittleren hängt eine kleine bronzefarbene Christusfigur, die beiden rechts und links davon sind leer: eine Darstellung von Golgatha, der Kreuzigungsstätte Christi. Dazu gesellen sich zwei überlebensgroße Figuren aus Sandstein - links Maria und rechts Johannes, beide "unglaublich ausdrucksstark", wie Wolters betont.

Diese Maria "ringt ihre Hände in einem namenlosen Schmerz, sie schaut nirgends mehr hin nur, sondern nur in sich hinein", so beschreibt es die Heimatpflegerin: Eigentlich sei es "bedrückend, wenn man die Figur anschaut, die der Künstler da aus dem Stein geschlagen hat.

Der Name des Künstlers ist bekannt: Joachim Schlott. Sein Werk könne man in Amberg öfter antreffen, sagt Wolters. "Er hat in der Mitte des 18. Jahrhunderts in der Bergkirche und in der Schulkirche die Beichtstühle gemacht." Letztere seien "ein Traum", schwärmt Wolters: "Das sind Meisterwerke, Schnitzarbeiten, da vergisst du, dass das aus Holz ist." Diese Arbeiten seien reich verziert mit Blüten und Ranken, dabei unglaublich bewegt und gekurvt. "Und was Schlott mit Holz kann, kann er mit Stein offensichtlich auch. Den beiden Figuren der Kreuzigungsgruppe haucht er so viel Leben ein, das ist wirklich gewaltig." Diese beiden Exemplare seien allerdings die einzigen, die erhalten geblieben sind, merkt Wolters dazu an.

Das Leid spürbar machen

Der frühere Heimatpfleger Otto Schmidt habe an dieser Stelle eigentlich einen sogenannten Kalvarienberg vermutet: Eine solche Darstellung bestehe aus mehreren Szenen, sei also mehr als "nur die nachgestellte Kreuzigung, die möglichst packend und lebensecht sein soll, damit sich der Gläubige richtig reinversetzen kann in dieses Leid". Das, sagt Wolters, "war im 18. Jahrhundert so": "Der Gläubige geht den Leidensweg Christi nach und versetzt sich in das Leiden Christi hinein. Und natürlich auch in den Schmerz Mariens. Also sind das möglichst realistisch gestaltete Figuren - und das ist Joachim Schlott wirklich gelungen."

Zum Kalvarienberg hinter Mariahilf soll auch ein Ölberg gehört haben, erläutert Wolters. Sie verweist auf das Pendant hinter der Martinskirche: Die biblische Szene, in der Jesus im Garten von Gethsemane kniet und betet, während seine Jünger schlafen, sei dort in eine Gruft eingebaut. Spürbar sei "diese gespenstische Ruhe, die über der Szene liegt", betont Wolters: "Das könnte ich mir oben am Berg auch vorstellen, wenn es dort einen Ölberg gegeben hat."

Es existierten durchaus noch einige solcher intakter Kalvarienberge - "wenn man die mal besucht hat, das ist schon toll". Wolters nennt als Beispiele die Heiligen Berge bei den oberitalienischen Seen, aber auch Bad Tölz, Gotteszell im Bayerischen Wald und Maria Plain bei Salzburg. Diese Kalvarienberg-Darstellungen seien immer auf einem Berg angeordnet. "Das würde also bei uns schon passen."

Hoch emotional

Otto Schmidt sei der Meinung gewesen, dass hinter Mariahilf ein Ölberg existierte, dazu eine Magdalenen-Kapelle und ein Grab Christi. "Aber davon ist nichts mehr da", sagt Beate Wolters. Wenn es diese Darstellungen wirklich gegeben habe, dann seien sie aber sicher "hoch emotional" gewesen - eben wie die erhaltene Kreuzigungsgruppe".

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