Den puren Horror erlebt

Das Opfer, Thomas Bärthlein (links), ist in dem Prozess, der am Donnerstag am Landgericht begann, Nebenkläger. Ihm zur Seite steht der Amberger Rechtsanwalt Dieter Spieß (rechts). Bild: Steinbacher

Es hätte jeden treffen können. Der Täter wartete in Traßlberg auf sein Opfer, griff sich einen des Weges kommenden Radfahrer und traktierte den Mann mit wuchtigen Tritten und Fausthieben. Bei dem, der zu leiden hatte, handelte es sich um CSU-Stadtrat und OTV-Fernsehmoderator Thomas Bärthlein.

Was sich am frühen Abend des 21. Mai vergangenen Jahres in Traßlberg ereignete, ist schier unglaublich. Es beschäftigt jetzt das Schwurgericht. Es muss darüber befinden, ob ein 29-Jähriger dauerhaft in die Psychiatrie kommt. Dafür spricht einiges. Denn was sich zutrug, lässt darauf schließen, dass ein hochgefährlicher Täter wahllos nach jemandem suchte, an dem er seine Aggressionen auslassen konnte. Es hätte durchaus auch ein Kind sein können.

Von seiner Wohnung aus war Stadtrat Thomas Bärthlein zu einer Radtour aufgebrochen. Der als sehr sportlich geltende 51-Jährige nahm Kurs auf die Nachbarstadt Sulzbach-Rosenberg und befand sich um 18.24 Uhr gerade am Traßlberger Ortsausgang, als er von einem ihm völlig unbekannten Fußgänger angegriffen wurde. Bärthlein flog von seinem Bike, er kam auf dem Rücken zu liegen. Dann hagelte es Tritte und Fausthiebe: gegen den Kopf, an alle Körperpartien. "Ich hab' dir doch nichts getan", rief der attackierte Journalist. Sein Peiniger antwortete: "Du kommst mir gerade recht."

Als ob nichts gewesen wäre

Passanten eilten hinzu. Da ließ der zunächst unbekannte Täter von seinem Opfer ab und ging mit langsamen Schritten davon. "Als ob nichts gewesen wäre", schilderte ein Zeuge seine Beobachtungen. Einige kümmerten sich um den schwer verletzten Thomas Bärthlein, andere setzten zur Verfolgung des in der Nähe wohnenden Täters an. Als er das merkte, ging er tätlich auf sie los und attackierte ferner zwei zwischenzeitlich eingetroffene Polizisten. Erst durch massiven Einsatz gelang es, den 29-Jährigen zu bändigen.

Vor dem Schwurgericht nannte der Beschuldigte nur seine Personalien. Ab dann schwieg er. Nach dem brutalen Übergriff hatte ihn, so war zum Prozessauftakt zu vernehmen, ein Gutachter als "unauffällig" eingestuft. Deshalb kam er zunächst in U-Haft, wurde erst Monate später ins Bezirkskrankenhaus gebracht. Zum Tatzeitpunkt stand er bereits unter Betreuung.

Thomas Bärthlein wurde als erster von nahezu zwei Dutzend Zeugen vernommen, die das Schwurgericht zum Prozess geladen hat. Der in Nürnberg geborene Journalist beschrieb die Attacke in Einzelheiten und formte dabei den Eindruck: Was sich abspielte, war Horror pur. Bis heute gehen ihm die Ereignisse nach. Der 51-Jährige hatte Rippenbrüche, Prellungen, Abschürfungen und eine Absplitterung im Schulterbereich davongetragen.

Er musste operiert werden. Der Strafkammervorsitzenden Roswitha Stöber sagte Bärthlein: "Wenn ich keinen Helm getragen hätte, säße ich heute nicht hier." Denn an diesem Schutz prallten viele der wuchtigen Fußtritte ab. "Der konnte nicht richtig im Kopf sein", schilderte danach ein 52-Jähriger seine Eindrücke. Er hatte die Gewalttat vom Balkon aus beobachtet.

Kommt es zur Einweisung?

Der Prozess wird am kommenden Mittwoch fortgesetzt. Im weiteren Verhandlungsverlauf will das Schwurgericht klären, ob es sich um gefährliche Körperverletzung oder um versuchten Totschlag handelte.

Vorrang hat allerdings die Frage, ob der 29-Jährige strafrechtlich verantwortlich war und, wenn das verneint werden sollte, dauerhaft in die Forensik muss. Die von Staatsanwältin Franziska Bücherl vertretene Anklagebehörde will eine solche Einweisung erreichen.
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