Den Schwung nutzen

Deutschkurs im Caritas-Haus neben der Dreifaltigkeitskirche. Die pensionierte Lehrerin Marietta Hemrich-Wiesner (hinten, stehend) unterrichtet Asylsuchende ehrenamtlich. Bild: upl

Die Stimmung ist so ganz anders als vor 20 Jahren. In vielen Orten haben sich Leute zusammengetan, um neu ankommende Asylbewerber zu unterstützen. Ein Strohfeuer an Hilfsbereitschaft? Die Caritas versucht, den Trend zu festigen.

Ammerthal, Edelsfeld, Freihung, Freudenberg, Hirschau: in vielen Gemeinden haben sich Initiativen gegründet, die Asylsuchende auf ihrem Weg in ihre ungewisse Zukunft begleiten. Noch breiter aufgestellt sind die erst vor wenigen Wochen ins Leben gerufenen Gruppen "Amberg hilft Menschen" und "Sulzbach-Rosenberg hilft".

Wünsche werden wahr

"Eine wirklich tolle Entwicklung", unterstreicht der Geschäftsführer des Caritas-Kreisverbandes Amberg-Sulzbach, Günter Koller. In seinem Büro direkt neben der Dreifaltigkeitskirche laufen viele Fäden dieser neuen Netzwerke zusammen. "Wir sind seit Anfang der 80er Jahre ununterbrochen in der Asylsozialarbeit und im Migrationsdienst tätig", erklärt er. Mit der breiten Unterstützung aus der Bevölkerung könnten nun endlich Vorhaben angepackt werden, die bisher zwar auf der Wunschliste standen, aber aus Kapazitätsgründen warten mussten.

Das Patenprojekt ist so eines. Die Idee: Es finden sich Einheimische, die sich konkret um die Sorgen und Nöte eines bestimmten Asylsuchenden kümmern. "In der Regel sind die Neuankömmlinge schon mal mit der Bürokratie völlig überfordert", erklärt Caritas-Flüchtlingsberaterin Anne Kuchler. Hinzu kämen Sorgen um die Verwandten und natürlich auf lange Sicht die Frage der Existenzsicherung. Mit der Unterstützung durch "Amberg hilft Menschen" kann das Patenprojekt vielleicht umgesetzt werden - es ist ein Ansatzpunkt von vielen.

Der Caritas-Verband trägt der aktuellen Entwicklung unter anderem Rechnung, indem er die Flüchtlingsberatung intensiviert. Er hat die Wochenstunden von Anne Kuchler erhöht und einen Antrag auf eine weitere Stelle in der Asylsozialarbeit gestellt. Hinzu kommen die 17 seit Jahren aktiven Ehrenamtlichen der Caritas, die sich in vier Arbeitskreisen engagieren: Deutschkurse, Hausaufgabenhilfe, integrative Angebote für Kinder und Hilfen bei der Arbeitsmarktintegration.

"Eine Arbeitserlaubnis für einen Asylsuchenden zu bekommen, ist extrem schwierig", berichtet Kuchler aus langjähriger Erfahrung. Die Job-Center dürfen nur Stellen vergeben, für die sich kein Deutscher findet. Erst wenn sich auch kein Interessent aus einem weiteren EU-Staat meldet, kommt unter Umständen ein Asylbewerber in Betracht. Dann allerdings ist oft die befristete Aufenthaltserlaubnis ein Problem. "Jemanden einzustellen, der vielleicht in drei Monaten wieder weg ist, ist für viele Betriebe halt ein Risiko."

Bald 350 Asylbewerber

Aktuell leben laut Kuchler etwa 300 Asylsuchende in Amberg. Die Zahlen schwanken täglich. Rund 200 sind in den von der Regierung der Oberpfalz angemieteten Gemeinschaftsunterkünften an der Kümmersbrucker Straße und in Gailoh untergebracht. 100 wohnen mittlerweile dezentral, das heißt in Privatwohnungen. Der Eigentümer des Asylheims in der Kümmersbrucker Straße hat das Gebäude in den vergangenen Wochen aufstocken lassen. 37 zusätzliche Plätze sind auf diese Weise entstanden. Die Räume sind bezugsfertig, allerdings noch nicht belegt.

Der Betreuungsbedarf in Amberg steigt, die vielen Helfer aus den unterschiedlichen Initiativen kommen der Caritas wie gerufen. "Wir freuen uns über jede Art von Unterstützung", unterstreicht Kuchler. Jetzt gehe es darum, die Hilfsbereitschaft nachhaltig zu verankern.
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