Der Adler fliegt mit

Ein bisschen Kolumbien haben sie schon jetzt in Amberg. Im Schatten des Tribünendaches sind es 30 Grad, auf der Tartanbahn ein paar Schritte weiter in der prallen Sonne fast 40. Für Corinna Schwab und Katrin Fehm die perfekte Vorbereitung auf ihren großen Traum.

(frü) Die beiden Mädchen umarmen sich, als sie sich im Stadion am Schanzl treffen. Beide im roten Aufwärmtrikot mit dem Schriftzug "Germany" und dem aufgedruckten Bundesadler auf der Brust. Corinna Schwab (16/TV Amberg) bekam das heißersehnte Paket des Deutschen Leichtathletik-Verbandes am Dienstag, Katrin Fehm (17/SGS Amberg) einen Tag später. Trainingsanzug, Regenjacke, Wettkampfshirt, sogar Unterwäsche und Socken. Die Nationalmannschaftskleidung für die U18-Weltmeisterschaften in Cali/Kolumbien (15. bis 19. Juli).

"Ich kann es noch gar nicht fassen", sagt Fehm. "Es ist schon ein komisches Gefühl." Vor nicht einmal eineinhalb Jahren spielte sie noch Fußball. Beim SV Michaelpoppenricht. In der Freizeitliga, der untersten Spielklasse. Jetzt gehört sie zu den 40 deutschen Sportlern (21 Mädchen, 19 Buben), die am Montag, 7. Juli, von Frankfurt aus in ein Trainingslager nach Florida und eine Woche später weiter nach Kolumbien fliegen, wo sie bei der WM die 100 Meter laufen wird.

Schwieriges Klima

Noch nie war sie so weit weg von zu Hause, überhaupt noch nie außerhalb Europas. Und jetzt Florida und Kolumbien - gute 9500 Kilometer entfernt. "Das wird ein Riesenabenteuer", sagt Fehm, die erst seit vergangenem Sonntag weiß, dass sie sicher dabei ist. "Ich möchte viele Erfahrungen sammeln, einen guten Eindruck hinterlassen, eventuell meine Bestzeit von 11,80 Sekunden unterbieten", hat sich die 17-Jährige vorgenommen, die die 10. Klasse des Max-Reger-Gymnasiums besucht. Viel weiß sie über Kolumbien nicht. Nur, dass es in Cali im Juli durchschnittliche Temperaturen von über 30 Grad und eine hohe Luftfeuchtigkeit hat: "Das Klima wird sicherlich schwierig für uns." Eine andere Schwierigkeit möchte sie bis zum Abflug noch klären. "Ich muss mal schauen, wie das mit dem Handy von Kolumbien aus funktioniert." Für die Anrufe bei der Familie ("Die freuen sich alle für mich") und bei Heimtrainerin Ully Glück ("Ohne sie wäre ich nicht dort, wo ich jetzt stehe").

So überraschend wie bei ihrer Freundin war die WM-Nominierung bei Corinna Schwab nicht. "Letztes Jahr nach dem deutschen Meistertitel war Kolumbien sicherlich ein Ziel", sagt die 16-Jährige. Trotzdem: "Dass ich wirklich dabei bin, kann ich aber noch gar nicht glauben. Das braucht noch bisschen." Für die Hiltersdorferin waren es auch aufregende Monate: Im Mai der altersbedingte Wechsel von den 300 zu den 400 Meter Hürden, die sie in Cali laufen wird, dann die entscheidenden Wettkämpfe, die WM-Nominierung - und parallel der Realschulabschluss.

"Es kribbelt schon"

Auch in der heißen Prüfungsphase stand fünfmal die Woche Training auf dem Programm, "ihre" 400 Meter Hürden läuft sie dabei aber eigentlich nie ("Das wäre zu anstrengend"). In Cali möchte Schwab ihre Bestzeit von 59,95 Sekunden knacken und "vielleicht den Endlauf der besten Acht erreichen." Das Trainingsgelände in Florida ("Da gibt es überhaupt keinen Schatten") und das WM-Stadion ("Dort sind die Laufbahnen blau") hat sie sich im Internet angesehen: "Ich freue mich total. Es kribbelt schon."
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