Der erste Auftritt des noch sehr jungen Vokalensembles Vox Aerterna
Neue, erfrischende Sichtweisen

Vox Aeterna in der Schulkirche: Es ist ein Privileg der Jugend, alte Zöpfe abzuschneiden. Sympathisch und dezent - wie etwa hier mit der Aufstellung des Vokalensembles - setzte der eigentlich sechsstimmige Chor (ein Sänger erkrankt) dieses Vorrecht um. Bild: Hartl
Es ist gerade mal ein halbes Jahr her, dass ein Dutzend junger Leute bei Proben mit dem Schulchor beschlossen hatten, ein eigenes Ensemble zu Gründen. Jetzt wagten sie ihr erstes eigenes Konzert vor großem Publikum. In der voll besetzten Schulkirche feierte das Projekt Vox Aeterna seine Premiere unter dem leicht abgewandelten Descartes-Motto Cantamus ergo sumus - Wir singen, also sind wir.

Und wie sie gesungen haben, die sechs jungen Frauen und Männer (eine Männerstimme war wegen Erkrankung kurzfristig ausgefallen) unter der Leitung von Lisa-Marie Holzschuh, die unauffällig, aber bestimmt als Erste unter Gleichen den Takt vorgab. Herrlich harmonisch intonierten sie auf ihrer musikalischen Zeitreise höchst unterschiedliche Stücke. Die Atmosphäre in der Schulkirche trug nicht unwesentlich zum guten Eindruck des Konzerts bei.

Zunächst völlig abgedunkelt, bis auf einige Orientierungshilfen in Form von Windlichtern entlang der Sitzreihen, wurde das Kirchenschiff von den einziehenden Sängern mit kleinen Kerzen erleuchtet. Ebenso mit Stimmen, die die Strahlkraft und Faszination von mittelalterlichen Chorälen in unsere Zeit übertrugen. Besonders eindrucksvoll für die frühe Epoche europäischer Gesangskunst war die Interpretation von Johann Pachelbels "Kanon", für den sich Vox Aeterna entlang der Sitzreihen im Raum verteilten und damit für ein besonderes Klangerlebnis sorgten.

Dezent instrumental

Dabei wurden sie von Johannes Raab am Klavier begleitet, der auch die Instrumentalstücke aus Barock und Frühklassik kongenial unterstützte. Hier zeigten die Chorleiterin Lisa-Marie Holzschuh, die ein kurzes Flötenstück von Händel zum besten gab, und Anna Lottner, die sich mit einem Satz aus einem Klarinettenkonzert von Stamitz in die Gehörgänge des Publikums schmeichelte, dass sie nicht nur die Kunst des Gesangs beherrschten, sondern auch ihre Instrumente.

Lisa-Marie Holzschuh unterstrich etwas später darüber hinaus auch ihre Souveränität als Solo-Sängerin. Sie intonierte die Strophen eines philippinischen Liedes mit klarer, kräftiger und glockenheller Stimme, die es den Zuhörern schon fast unmöglich machte, sich an das "Klatschverbot" zu halten, das angesichts der Würde des Raums gleich zu Anfang von Organisator Florian Siegert ausgesprochen wurde.

Einen Höhepunkt erreichte das Konzert mit den eingängigen Popsongs von Albert Hammond, Billy Joel und vor allem Supertramp. Weil sich die Sängerinnen und Sänger nicht entscheiden konnten, ob nun der "Logical Song", "It's raining again" oder "Dreamer" ins Programm mit aufgenommen werden sollte, entschlossen sie sich einfach ein Medley der britischen Band zusammenzustellen. Es war schon bewundernswert, wie sie die doch recht spezielle Gesangstechnik von Roger Hodgson in die musikalische Welt der Chöre überführten.

Da kommt noch mehr

Die Arrangements der Übergänge zwischen den einzelnen Liedern war mehr als gelungen, so dass sie zusammen mit dem harmonischen Ensemblegesang von Vox Aeterna ein völlig neues eigenständiges Werk bildeten. Die musikalische Zeitreise führte nicht nur durch die Epochen, sondern bot auch eine Steigerung des Raffinements und der Rhythmik, so dass am Schluss das Publikum endlich applaudieren durfte - und das nicht zu wenig.
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