Der Hall hatte es in sich

Dirigent Dieter Müller (rechts) hatte sein Orchester perfekt auf diesen Auftritt vorbereitet.

Die Amberger Chorgemeinschaft und das Orchester der Berufsfachschule für Musik des Bezirks traten gemeinsam in der Dreifaltigkeitskirche auf. Sie taten dies zu ungewohnter Zeit: nachmittags.

Es war ein abwechslungsreiches, gattungs- und epochenübergreifendes Programm, das die Zuhörer am Sonntag erlebten. Eröffnet wurde der Reigen von ergreifender sakraler Musik von Christian Farnbauer, der auf der Orgel einen "Trumpet Tune" von Henry Purcell und im weiteren Verlauf noch einige kleinere Werke von Thomas Adams, Walter Battison Haynes und John Marsh beisteuerte. Mit seiner effektreichen, jubilierenden Interpretation stimmte er das Publikum im Kirchenschiff angemessen auf das Hauptwerk, eine Hymne von Felix Mendelssohn Bartholdy, ein.

Etwas schwierig

Doch zunächst nahmen die Orchestermusiker ihre Plätze ein, um mit der Symphonie Nr. 104 in D-Dur den End- und Höhepunkt aus dem sinfonischen Schaffen von Joseph Haydn zu Gehör zu bringen. Das allerdings war etwas schwierig, denn die Akustik in der Dreifaltigkeitskirche ließ durch einen übermäßigen Nachhall oft nur einen Klangbrei entstehen. Das trübte ein wenig den Genuss der Zuhörer und wurde vor allem nicht dem Orchester gerecht, das erkennbar viel Mühe in die Interpretation dieses Werkes gelegt hat.

Mit großer Anstrengung beim Hören wurde nämlich deutlich, dass der Dirigent Dieter Müller, der die Leitung für das gesamte Konzert innehatte, seine Musiker perfekt auf diesen Auftritt vorbereitet hatte. Er nahm die Tempovorgaben des Komponisten ernst und enthielt sich jeglicher interpretatorischer Eigenheiten. Und auch die Feinheiten der Partitur waren unter seinem Dirigat durchaus - wenn auch mit Schwierigkeiten - herauszuhören.

Müller erwies sich damit als wahrer Diener der Musik, der nicht sich selbst in den Vordergrund drängte, sondern seine ganze musikalische Autorität dem Dienst an der Musik widmete.

Innig-fromm

Dem Ausflug in die Wiener Klassik folgten zunächst drei a cappella gesungene Motetten für gemischten Chor, die aus den Epochen vom Vorbarock bis zur Romantik stammten. Die Amberger Chorgemeinschaft ließ es bei den Werken von Thomas Tallis, William Byrd und Felix Mendelssohn-Bartholdy nicht an einem innig-frommen Impetus fehlen. Der Hall, der dem Orchester Schwierigkeiten bereitete, verhalf den Sängerinnen und Sängern zu einem höchst harmonischen und volltönenden Klang, der beim Zuhörer einen nachhaltigen Gesamteindruck hinterließ.

Fulminanter Höhepunkt

Von Felix Mendelssohn-Bartholdy stammte auch die Hymne op. 96, die aus drei geistlichen Liedern und einer Schlussfuge bestand. Hier waren Chor, Orchester und die Mezzosopranistin Adelheid Lang gemeinsam zu hören. Die Solistin interpretierte die drei Lieder mit ihrer klaren, weichen Stimme sehr eindringlich und mit großem Engagement.

Die Chorgemeinschaft ließ sich davon mitreißen und steigerte sich zu einem fulminanten Höhepunkt, sowohl rein musikalisch, als auch in Hinsicht auf den Geist und die Intention des Werks, dessen dritter Satz "Herr, wir trau'n auf deine Güte" dem abwechslungsreichen und insgesamt sehr hörenswerten Konzert als Titel diente.
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