Der Henker zieht aus

OB Michael Cerny (rechts) ließ Stadtbau-Geschäftsführer Maximilian Hahn nicht im Regen stehen. Das soll auch für die Sanierung des Lehmeierturms in der Batteriegasse gelten. Bild: Steinbacher

Ein Henker hat hier nie gewohnt. Doch eine Hexe ist hier daheim. Und Menschen sollen in dem alten Turm an der Stadtmauer auch bald wieder wohnen.

Die Amberger kennen den schon etwas heruntergekommenen Turm in der Batteriegasse 22 als Henkerturm, weil der Sage nach hier dereinst der Scharfrichter gewohnt hat. Das stimmt zwar nicht, hat dem Gebäude aber immer eine etwas geheimnisvolle Aura verpasst. Denn eigentlich heißt das Gebäude Lehmeierturm, ist Teil der Stadtbefestigung aus dem 14. Jahrhundert und ziemlich marode. Der Henker hat übrigens ein paar Häuser weiter gelebt.

Seit vielen Jahren nun steht der Turm samt zugehörigen Anbauten leer. Dr. Alfred Sattler hat ihn vor vielen Jahren mal von der Stadt gekauft, ihn aber wieder zurückgegeben, als er sich mit seinen Vorstellungen nicht durchsetzen konnte, wie das Ganze zu sanieren sei. Vor vier Jahren hat sich nun die Stadtbau GmbH erbarmt, hat geplant und wieder verworfen. Absoluter Favorit von Stadtbau-Geschäftsführer Maximilian Hahn war dabei die Anhebung des Dachs und der Einbau eines Lichtbandes darunter. Hier sollte ein drehbarer Tisch eingebaut werden, so dass sich Amberg im 360-Grad-Panorama präsentiert hätte.

Der Denkmalschutz hatte etwas dagegen, jetzt wird alles ein bisschen schlichter. Aber es wird immerhin, wie Maximilian Hahn am Dienstag beim Startschuss für die Arbeiten anmerkte. Eine Ferienwohnung in der Stadtmauer soll hier entstehen, der Turm wird dazu gründlich saniert, die Anbauten müssen teilweise weichen und werden durch neue Gebäude ersetzt. "Ein anderer Investor wäre hier nicht eingestiegen", betonte OB Michael Cerny. Der sich doch irgendwie grämte, dass die schöne Geschichte mit dem Henker nun doch nicht wahr ist.

Nun sind die ausführenden Firmen gefragt, mit der sensiblen Materie zurechtzukommen. Architekt ist Johann Ernst, für die Steinarbeiten zeichnet Reim + Kraus aus Schirmitz verantwortlich. Und mit der Statik darf sich das Büro Steinert & Trösch abkämpfen.
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