Der Kampf ums Grün
Glosse

Der Rasen hat kapituliert - die Distel blüht weiter. Bild: eik
Ganz schön heiß, oder? Besonders abends. Auch wenn man eigentlich ganz entspannt auf der Terrasse sitzt. Aber alleine dem Nachbarn dabei zuzusehen, wie er seinen Rasen wässert, treibt einem den Schweiß auf die Stirn. Er kämpft eisern um die letzten grünen Halme. Eine Schlacht, die er nicht gewinnen kann. Sagt die Erfahrung aus den vergangenen vier Jahren: Spätestens im August ist der Rasen platt. Punkt.

Inzwischen knirscht er richtig, wenn man drauftritt. Aber das muss man ganz relaxed sehen: Genauso zuverlässig, wie das satte Grün im Sommer verschwindet, kommt es im Herbst wieder zurück. Egal, ob man wässert oder nicht. Und das Mähen - samt anschließendem Kampf um letzte freie Kapazitäten im Grüngutcontainer - kann man sich auch schenken.

Stattdessen kann man die Beine hochlegen, sich am Anblick des gießenden Nachbarn erfreuen, selber unsinnige Ausgaben fürs Wasser sparen - und der reschen Wüstenfläche hinterm Haus ganz neue, charmante Aspekte abgewinnen: Die Distel, sonst im gepflegten Grün doch eher störend, blüht auch bei 38 Grad ohne Schatten unbeirrt in zartem Hellblau und ist damit ein echter Blickfang zwischen den verdorrten Halmen.

Während der Nachbar mit seinem Schlauch hantiert, nutzt man selbst das kostbare Nass sinnvoller - für einen erfrischenden Schluck zum Feierabend, während man, ganz ohne Wasser, auf dem Laptop surft. Und dabei auf noch weitaus kuriosere Blüten trifft, die die Rasendürre treibt: Auch in Amerika sagen ihr Gartenfreunde den Kampf an - allerdings nicht mit Wasser, sondern mit Sprühfarbe. "Ein Facelift für Ihren Rasen" verspricht der Hersteller. Natürlich in sattem Grasgrün. Kein Witz. Und Dank eines großen Online-Versenders auch in Deutschland zu haben. Damit könnte man doch eigentlich dem Nachbarn eine Freude machen. Und müsste dann nicht mehr mitschwitzen bei seinem abendlichen Gießmarathon.
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