Der Schweiß der 50er

In den 50er Jahren zog man sich abends schick an und ging tanzen: Bei der langen Amberger Museumsnacht reisten zahlreiche 50er-Fans mit Hilfe des Sounds der Satellites zurück in die Zeit, als das Kaufhaus Storg noch modern und Petticoats völlig normal waren. Bilder: kge (2)

Käsespieße, Bowle, Milchbar oder Kaufhaus Storg - die lange Museumsnacht am Samstagabend war eine Hommage an die 50er-Jahre und gleichzeitig der Endspurt für die Wanderausstellung "Wiederaufbau und Wirtschaftswunder". Sie schließt am Sonntag, 25. Oktober, ihre Pforten.

"Daran erinnere ich mich noch genau. Als mein Vater die Petticoats meiner Schwester verbrannte und ich mit ihr litt", erzählte ein Besucher am Samstagabend mit Blick auf die schönen Kleider im Stil der 50er-Jahre. Viele Besucher waren zum Teil in authentischer Garderobe zur langen Museumsnacht gekommen.

Sound von den Satellites

Im Saal blieb kaum ein Hemd trocken: The Satellites heizten mit dem Sound der damaligen Zeit dem tanzfreudigen Publikum mächtig ein. In den Pausen konnte man sich dann unter anderem mit den obligatorischen Käsespießchen, der klassischen Bowle oder auch Cola und Fanta in den originalen kleinen Glasflaschen stärken.

Karussell aus Gasmasken

Unter der Führung von Andreas Scherrer vom Bayerischen Staatsministerium wurde der Beginn der Ausstellung den Interessierten erläutert. Das deutsche Wirtschaftswunder fand seinen Anfang nach dem Krieg. In den zerbombten Straßen geschah einfach innerhalb kürzester Zeit Unglaubliches. Unzählige Vertriebene wurden ohne weiteres in der Gemeinschaft akzeptiert und integriert und halfen maßgeblich beim Wiederaufbau. Dieser gelang wesentlich schneller, als man zu hoffen wagte. Ein Zeitzeugnis für den Einfallsreichtum der damaligen Deutschen ist das ausgestellte Karussell, das ein Vater für sein Kind aus den Einzelteilen einer Gasmaske bastelte. "Not macht erfinderisch, wie das schöne Sprichwort schon sagt," merkte Scherrer melancholisch an.

Anna Ondrejtschak übernahm im nächsten Teil der Führung die Gäste und zeigte ihnen die Exponate und nachgestellten Einrichtungen der damaligen Zeit. Sie wusste gut zu erzählen von der Kreativität der Frauen: "Und wenn die begehrten Nylonstrümpfe nicht zur Hand waren, puderten sich die Damen die Beine und zeichneten sich mit einem Stift die Naht auf ihre Rückseite, um den Eindruck zu erwecken, sie hätten welche an." Und auch die Abendgestaltung unterschied sich ganz wesentlich zu heute. "Die Menschen warfen sich ganz selbstverständlich in Schale und gingen dann ins Wirtshaus, um sich dort zu treffen und die Jukebox für ihren Lieblingssong zu füttern." Fernseher bestimmten noch nicht die Unterhaltung und keiner hatte seine Musik auf dem Smartphone dabei, wie man es jetzt schon bei Kindern gewöhnt ist."
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