Der Staat zahlt auch dazu

Das Foto vom Schießlstadl, der damals noch Brauerei war, ist selbst schon historisch. Das Gebäude wird derzeit zum Stadtarchiv umgebaut. Bild: hfz

Er war schon Garage für die kurfürstlichen Kutschen, wurde als Lager für Gewehre und Pferdefutter sowie als Brauerei genutzt. Jetzt wird der Schießlstadl Stadtarchiv. Der Umbau dazu kostet viel Geld. Ein Teil davon soll über die Städtebauförderung wieder reinkommen.

Die Stadt Amberg beteiligt sich am bundesweiten Tag der Städtebauförderung, der erstmals am Samstag, 9. Mai, über diese Form der öffentlichen Unterstützung informieren wird. Um 11 Uhr wird an diesem Tag die Baustelle am Paulanerplatz geöffnet und vor Ort über den Stand der Sanierung des ehemaligen kurfürstlichen Wagenhauses (Schießlstadl) sowie den Umbau zum Stadtarchiv informiert.

Ganz offiziell wird Oberbürgermeister Michael Cerny den Tag der Städtebauförderung eröffnen. Anschließend wird Stadtarchivar Dr. Johannes Laschinger über die Geschichte des denkmalgeschützten ehemaligen kurfürstlichen Wagenhauses informieren. Anschließend stellt ein Vertreter des städtischen Hochbauamts das Bau- und Sanierungsprojekt eingehend vor. Die Projektvorstellung erfolgt anschließend stündlich bis 14 Uhr.

Kosten 6,77 Millionen Euro

Der Stadtrat hat in seiner Sitzung vom 5. März 2012 beschlossen, den Schießlstadl umfassend zu sanieren und hier künftig das Stadtarchiv unterzubringen. Nach den Planungen des Architekturbüros Gildehaus & Reich aus Weimar beziffern sich die Gesamtkosten auf rund 6,77 Millionen Euro. Davon sind etwa 4,7 Millionen Euro förderfähig und werden durch das Bund-Länder-Städtebauförderungsprogramm V - Städtebaulicher Denkmalschutz - bezuschusst. Dabei ist voraussichtlich mit einem Beitrag in Höhe von 2,86 Millionen Euro zu rechnen.

Das kulturhistorisch wertvolle Gebäude ist einschließlich der dazugehörenden Nebenanlage als Baudenkmal in die Denkmalliste eingetragen. Es wurde im Jahr 1615 in der Hoch- und Endphase der kurpfälzischen Regierung als "Kurfürstliches Wagenhaus" erbaut. Die Dachgeschosse waren vermutlich als Getreidespeicher oder ähnliches gedacht. Nach der kurfürstlichen Herrschaft blieb das Gebäude in staatlichem Besitz und wurde unter anderem als Lagergebäude für "landesherrschaftliche Baurequisiten", als Getreidekasten und Salzstadl, durch die Gewehrfabrik und als Pferdefuttermagazin durch das Militär genutzt. Bis 1931 verblieb das Gebäude im bayerischen Staatsbesitz, dann wurde es vom evangelischen Arbeiterverein erworben, was die Bezeichnung "Paulanerstadl" erklärt.

Seit den 1960er Jahren fand der Stadel als Brauerei Verwendung, woraus die heutige umgangssprachliche Bezeichnung "Schießlstadl" resultiert. Diese Nutzung wurde 2006 endgültig aufgegeben, die Stadt Amberg erwarb das Anwesen. Die ließ zunächst einmal die ehemaligen Brauereiräume ausräumen und erste Sicherungsmaßnahmen am Gebäude vornehmen, um den Einsturz von Teilen der Fassade und des Daches zu verhindern. Es folgten das statische Aufmaß, die Bestandserfassung und eine Altlastenerkundung.

Sorgfältige Renovierung

Eine Machbarkeitsstudie untersuchte eine museale Nutzung und eine Verwendung als Stadtarchiv. Wesentliches Ziel der Instandsetzungs- und Sanierungsmaßnahme ist die Wiederherstellung des kurfürstlichen Wagenhauses in seinem ursprünglichen Zustand. Dies beinhaltet auch die Renovierung des dreigeschossigen Dachstuhls mit den beiden Zwerchhäusern. Die für eine zeitgemäße Archivnutzung notwendigen Ergänzungen und Änderungen erfolgen äußerst behutsam und im Einvernehmen mit dem Landesamt für Denkmalpflege.

In die Gebäudehülle soll nach modernsten Gesichtspunkten ein Raumcontainer mit Regalsystemen inklusive einer Klimatisierung eingebaut werden. Die erforderlichen Nebenräume werden in einem Anbau untergebracht. Das äußere Erscheinungsbild bleibt bestehen, was auch fast vollständig dem historischen Zustand entspricht.
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