Der Name, der nicht genannt werden darf

Die Mitgliederversammlung der Freien Wähler hatte etwas von "Harry Potter": Auch in den Büchern über den Zauberlehrling kommt einer vor, "dessen Name nicht genannt werden darf". Er ist das personifizierte Böse und heißt Voldemort - nur wagt das keiner auszusprechen, um dem "Dunklen Lord" nicht noch mehr Macht zu verleihen.

Bei den Freien Wählern gab es über 20 Jahre lang auch einen mächtigen, in der politischen Auseinandersetzung aggressiv agierenden Vorsitzenden, dessen Name am Donnerstag nicht genannt wurde. Zumindest im offiziellen Teil der Versammlung sprach ihn nicht einer der Redner aus. Dr. Klaus Ebenburger sollte offensichtlich keine Rolle mehr spielen, auch seine Taten in der älteren und jüngeren Vergangenheit blieben unerwähnt. Selbst zwei Grußwortredner mieden seinen Namen, obwohl sie die jüngsten Querelen mit den eigenen Leuten kurz streiften.

Stellvertretender Bezirksvorsitzender Günther Frieser ärgerte sich darüber, dass der, dessen Name er nicht nannte, den FW mangelnden Fleiß vorgeworfen hatte. Und Albert Geitner, Chef des FW-Kreisverbands Amberg-Sulzbach, klagte darüber, wie "zermürbend es ist, wenn man sich um solche Dinge kümmern muss, statt um die eigentliche Arbeit, für die man da wäre". Er, dessen Name verbannt wurde, war auch da. Zwar nicht wirklich, aber er schwebte wie ein Geist über der Versammlung, die Mühe hatte, ihn aus den Köpfen zu zaubern.
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