Diagnose nicht ganz so einfach

"Die Notfallmedizin ist eine der wichtigsten Aufgaben des Gesundheitswesens." Das weiß nicht nur Dr. Rainer M. Voss, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme (ZNA) am Amberger Klinikum. In seinem Referat wurde schnell klar, bei älteren Patienten ist noch weit mehr zu beachten.

Aufklärung und Informationen zu verschiedenen Gesundheitsthemen - das ist laut Mitteilung von Klinikums-Sprecherin Stephanie Gräß der Kern des Amberger Gesundheitsforums. "Die Vortragsreihe wird zum 21. Mal von der Volkshochschule (VHS) Amberg in Kooperation mit dem Klinikum St. Marien angeboten."

Zahl der Senioren wächst

Den Auftakt machte Dr. Rainer Michael Voss, Ärztlicher Leiter der Zentralen Notaufnahme am Amberger Klinikum. Sein Thema am Dienstag im Großen Rathaussaal: Der Notfallpatient im Alter - Bedeutung der demographischen Entwicklung in der Notfallmedizin. "Die Gruppe der Senioren wächst stetig", so Thomas Boss, VHS-Leiter bei seiner Begrüßung. "Statistisch betrachtet zählt 2030 jeder vierte Amberger zur Gruppe der Senioren. Deshalb wird das heutige Thema künftig immer relevanter, auch im Gesundheitswesen."

Oft Vorerkrankungen

"In die Notaufnahme müssen wir innerhalb kürzester Zeit fachliche Entscheidungen treffen. Bei einem Schlaganfall oder Herzinfarkt beispielsweise ist Eile geboten, die Therapie muss unmittelbar beginnen, um Folgeschäden für den Patienten möglichst gering zu halten oder ganz vermeiden zu können", betonte Dr. Voss. Besonders bei älteren Patienten über 65 Jahren sind die langjährige Erfahrung und hohe Professionalität der Notfallmediziner gefordert. Denn geriatrische Patienten bringen oft Vorerkrankungen mit. In vielen Fällen ist die Krankengeschichte für die Notfallmediziner allerdings beispielsweise aufgrund von Demenz nicht leicht im Gespräch mit dem Patienten herauszufinden. "Ältere Menschen haben oft auch eine verminderte Empfindlichkeit", so Dr. Voss.

"Krankheitssymptome können dadurch abgeschwächt werden, was uns in manchen Fällen die Diagnose erschwert. Auch untypische Symptome sind bei Senioren keine Seltenheit. Außerdem können leichtere Verletzungen zu schwerwiegenderen Folgen führen als bei jüngeren Patienten." Dazu komme noch Wechselwirkungen wegen der Einnahme mehrerer Medikamente. "Ein zusätzliches Arzneimittel erhöht das Risiko einer unerwünschten Wirkung um rund zehn Prozent", sagte Dr. Voss.

Regelmäßige Schulungen

Auf all diese Umstände müssen Mediziner und Pflegepersonal vorbereitet sein, um im Notfall optimal reagieren zu können. Hilfreich dabei sei es, die Mitarbeiter regelmäßig darin zu schulen, bei geriatrischen Patienten auf Besonderheiten wie Mehrfacherkrankungen, Mehrfachmedikation oder untypische Symptome besonders zu achten. "Auch eine umfassende geriatrische Beurteilung ist von entscheidender Bedeutung", schilderte der Experte.

Routinemäßige Tests

"In der Notaufnahme machen wir routinemäßig solche Tests. So können wir prüfen, ob eine Demenz vorliegt, wie mobil der Patient ist und wie groß die Gefahr ist, dass der Patient stürzt, weil er beispielsweise nicht mehr gut sieht. Mithilfe dieser Verfahren können wir frühzeitig rehabilitationsfähige Patienten erfassen, die dann zeitnah mit der Reha direkt bei uns im Haus beginnen können." In der Notaufnahme am Klinikum sei man schon jetzt sehr gut für die Behandlung von älteren Patienten aufgestellt, erklärte Dr. Voss. Ein wichtiger Aspekt bei der Behandlung von geriatrischen Patienten sei auch, die Begleitpersonen soweit wie möglich mit einzubeziehen. "Gerade für Menschen mit Demenz ist es in Ausnahmesituationen extrem wichtig, jemand Vertrauten an seiner Seite zu wissen."

Stühle mit Armlehnen

Um die Behandlungsmöglichkeiten für ältere Patienten künftig weiter zu verbessern, werde beispielsweise auch im Zuge der Bauerweiterung der ZNA darauf geachtet, die Bedürfnisse dieser Patientengruppe besonders zu berücksichtigen: Stühle mit Armlehnen, große Beschriftungen und durchgängige Handläufe seien einige Beispiele dafür, erklärte Sprecherin Gräß. Im Anschluss an den Vortrag hatten die Besucher die Möglichkeit, Fragen zu stellen.
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