Dicke bauen schneller ab

Das geht uns nichts an, das ist ein Thema für alte Leute. Von wegen: Etwa die Hälfte aller 30-Jährigen hat bereits verschleißbedingte Gelenkveränderungen. Der Weg zur künstlichen Hüfte ist da nicht mehr weit.

20 Millionen Deutsche leiden unter vorübergehenden Gelenkbeschwerden, fünf Millionen an chronischen Arthroseschmerzen. Viele Fragen und Antworten dazu gab es jetzt beim Ratgeber Gesundheit im Klinikum St. Marien.

Am häufigsten, so Dr. Helmut Dirschedl, Oberarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie und Leiter des zertifizierten Endoprothetikzentrums am Klinikum, treten Verschleißerscheinungen an Hüfte, Knien oder Sprunggelenken auf. Einfach weil diese Gelenke am meisten beansprucht werden. Ursachen für eine Arthrose sind laut Dirschedl Verletzungen des Gelenkes oder Fehlbelastungen, die durch angeborene Fehlstellungen oder Überbelastung entstehen.

Eine wichtige Rolle spiele das Übergewicht: Bekämen die Gelenke ständig zu viel Druck ab, komme es nach und nach zum Abbau der Knorpelschicht und damit zur vorzeitigen Abnutzung. "Eine weitere Ursache ist der Alterungsprozess", so der Experte. "Je älter wir werden, desto wahrscheinlicher ist es, dass Verschleißerscheinungen auftauchen."

Schmerzen über Schmerzen

Je fortgeschrittener die Arthrose sei, desto ausgeprägter die Symptome: Schmerzen bei bestimmten Betätigungen, Schwellungen am Gelenk, schmerzende Muskeln, Bewegungseinschränkungen oder sogar Schmerzen im Ruhezustand. Ein einmal abgeriebener Knorpel, so machte Dirschedl deutlich, könne nicht mehr hergestellt werden. Sei der Knorpel aber noch vorhanden, bestehe die Chance, ihn zu stabilisieren. Bewegung sei da ein wichtiger Faktor. Sie fördere die Versorgung des Knorpels mit Nährstoffen. Außerdem könne so Muskelverkürzungen entgegengewirkt werden.

Helfen konservative Maßnahmen nicht weiter, gibt es die Möglichkeit einer Operation. Darüber informierte Dr. Robert Bauer, Chefarzt der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie. Wichtig sei es, für jeden Patienten individuell die beste Prothese zu finden, so Dr. Bauer. Wie groß muss die Prothese sein? Welches Material ist für den jeweiligen Patienten am besten geeignet? Und welche Art der Befestigung? Das alles werde detailliert im Vorfeld der Operation geplant.

"Wir benutzen beispielsweise für ältere Patienten eher zementierte Prothesen", erklärte Dr. Alois Distler, ein Teammitglied des Endoprothetikzentrums. "Bei ihnen ist der Knochen oft weicher und nicht mehr ausreichend fest, Stichwort Osteoporose." Da sei die zementierte Prothese oft die bessere Wahl. Denn zementfreie Prothesen müssten im Körper stabil verankert werden und dann einheilen. "Dazu braucht man sehr stabile Knochen."

Den Zeitpunkt für eine Operation bestimme eigentlich der Patient, so die Experten. "Wenn er nicht mehr mit den Schmerzen leben kann oder will, können wir den Eingriff mit ihm gemeinsam besprechen und planen."
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