Die aggressionsgeladene Stimmung ließ sich fast schon mit den Händen fassen. Der Angeklagte ergriff nach seinem Belieben das Wort, er unterbrach und bestimmte von sich aus, wann Sitzungspausen zu machen waren. "Alles gelogen", lautete seine Standardformulierung.
Szenen eines Rosenkriegs

(hwo) Wer log da? War es die Frau auf dem Zeugenstuhl, die immer wieder von Weinkrämpfen geschüttelt wurde? Oder war es der 30-Jährige auf der Anklagebank? Fest stand eigentlich von Beginn an: Was die Amtsrichterin Julia Taubmann zu verhandeln hatte, waren Szenen aus einem filmreifen Rosenkrieg.

Momente einer Beziehung, die drei Jahre dauerte und dann in die Brüche ging. Dabei drehten sich die langen Diskussionen auch um die Frage: Wer bestand auf dieser Trennung? "Ich war es", sagte die Frau. "Nein", entrüstete sich der Angeklagte, "ich wollte weg."

Vom Sofa gezerrt

"Ich habe ihr nichts getan", versicherte der Angeklagte lautstark. Er will von seiner Ex-Freundin im Zimmer eingesperrt und um Geld bestohlen worden sein. Dass sie mehrere Hundert Euro an sich nahm, räumte die Frau ein. Allerdings habe sie ihm diesen Betrag zuvor geliehen gehabt. Kam es zu einer Auseinandersetzung? Das mutmaßliche Opfer will in einer Wohnung unweit des Nabburger Tors vom Sofa gezerrt, am Hals gepackt und misshandelt worden sein. Das erboste den 30-Jährigen abermals. "Sie lügt", meldete er sich ohne Rederecht zu Wort. Daraufhin wurden ihm strafprozessuale Sanktionen angedroht. Das, ließ er wissen, sei für ihn "kein Problem." Es blieb allerdings bei der mündlich ausgesprochenen Warnung. Die Geschichte um den Rosenkrieg geht weiter. Jetzt müssen neue Zeugen kommen. Wozu? Sie sollen die Glaubwürdigkeit der Frau erschüttern. Einer von Verteidiger Jürgen Mühl vorgeschlagenen Verfahrenseinstellung hatte sich Staatsanwalt Jan Prokoph zuvor widersetzt.

Nächtliche Treffen

Abgehakt ist wohl unterdessen ein mutmaßlicher Betrug des Angeklagten. Auch da war immer wieder von seiner Seite aus von "Lügnern" die Rede. Es ging um eine angeblich 1200 Euro teuere und ihm gehörende Designerjacke. Sie soll von einem Mann bei einem nächtlichen Treffen beschädigt worden sein. Der 33-Jährige ("Ich war zu dieser Zeit betrunken") erzählte der Richterin, er habe sich später von dem Beschuldigten unter Druck gesetzt gefühlt und deshalb 1000 Euro bezahlt. Der habe danach immer mehr Geld gewollt und weitere Forderungen erhoben.

Das Kleidungsstück existiert nicht mehr. Die Polizei verzichtete seinerzeit auf eine Sicherstellung und der Angeklagte berichtete, er habe es Monate später über einen Container entsorgen lassen. Zudem, ließ er empört wissen, habe seine Forderung nur 500 Euro betragen. Der Rest seien Spielschulden des 33-Jährigen bei ihm gewesen. Das Gegenteil wird nicht zu beweisen sein. "Aber ein Gschmäckle bleibt", ließ Richterin Taubmann erkennen. Auch hinsichtlich der Frage, ob es sich bei der Jacke um ein billiges Plagiat handelte.

Der Prozess geht weiter. Da solle dann, wurde von der Anklagebank aus gefordert, "das Vorstrafenregister der Ex-Freundin verlesen werden." Man werde auch die Vorahndungen des Beschuldigten nicht unerwähnt lassen, deutete die Richterin an.
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