Die Drei von der Anklagebank

Eine Kirwa-Schlägerei und eine mit Heizöl versetzte Goaßmass brachte ein Brüderpaar und einen Kumpel gemeinsam vor das Jugendschöffengericht. Mit dem Urteil trennen sich diese Irrwege für das Trio.

(zm) Der Jüngste (18) kann erleichtert aufatmen. Er kam mit einem astreinen Freispruch davon. Schmerzlich wird es für die beiden Brüder (19, 20). Sie werden je zwei Wochen in einer Jugendarrestzelle verbringen müssen, wenn dieses erstinstanzliche Urteil Bestand behält. Einfach machte sich das Gericht unter dem Vorsitz von Peter Jung diese Entscheidung nicht.

Drei Tage wurde verhandelt, Zeugen standen reihenweise an und tischten zum Teil eher abenteuerliche als glaubhafte Geschichten auf (wir berichteten). Doch am Montag wollte sich das Gericht beispielsweise nicht mehr mit ominösen Unbekannten in weißen Osterhasen-Kostümen aufhalten. Sie sollen auf einer Faschingsparty im Frühjahr dem 20-Jährigen eine Heizöl-Goaßmass aufgedrängt haben, die er dann wiederum an einen zumindest angetrunkenen Bekannten als komisch schmeckend weitergereicht hatte.

Kräftig angezogen

Der nahm ein paar kräftige Schluck, musste sich aus dem Stand heraus übergeben und für einen Tag zur Beobachtung ins Krankenhaus. Der Angeklagte schwieg dazu. Doch selbst sein Anwalt Helmut Miek sprach von einem "total verunglückten Ulk", für den sein Mandant halt geradestehen müsse. Das Gericht wertete die Tat als gefährliche Körperverletzung. Damit war es für den 20-Jährigen aber noch nicht erledigt.

Am Rande der Poppenrichter Kirwa hat er im vergangenen Jahr wegen einer Beleidigung via Facebook eine aus seiner Sicht offene Rechnung begleichen wollen. Das nahm fast Eventcharakter an. Auf der Poppenrichter Skaterbahn trafen sich zwei rivalisierende Cliquen Heranwachsender und es gab eine kurze körperliche Auseinandersetzung. Dafür wurde der 20-jährige im Januar abgeurteilt. Doch es folgte eine Fortsetzung auf der nur wenige Hundert Meter entfernten Kirchweih. Dort attackierte der erneut angeklagte Kurierfahrer noch einmal sein vorheriges Opfer. Auch diese Tat räumte er indirekt am dritten Verhandlungstag ein. Miek hatte für ihn einen Täter-/Opferausgleich arrangiert und der 20-Jährige entschuldigte sich in einem Brief.

Dicht umdrängt

Hier kam sein Bruder ins Spiel, der sich ohne Anwalt der Verhandlung stellte. Der 19-Jährige gab zu, in diese Schlägerei habe eingreifen wollen. Er sei aber gar nicht bis zu dem von Schaulustigen dicht umdrängten eigentlichen Geschehen vorgedrungen, sondern schon auf dem Weg dorthin zu Boden geschubst und in eine Rangelei mit einem anderen verwickelt worden. Das glaubte ihm das Gericht nicht und schloss sich in diesem Punkt mehr der Sichtweise von Staatsanwältin Dr. Isabell Ruppert an. Sie verwies auf eine Reihe von glaubwürdigen und nachvollziehbaren Zeugenaussagen, die den 19-Jährigen sehr wohl als einen der Schläger identifiziert hätten.

Bisher unbescholten

Die Anklagevertreterin plädierte für einen Schuldspruch des gesamten, vor diesen Taten unauffälligen Trios und forderte sogar eine achtmonatige Jugendstrafe auf Bewährung für den Hauptangeklagten sowie einen jeweils dreiwöchigen Jugendarrest für die beiden Mitbeschuldigten. Für Ruppert war schon lange Schluss mit lustig, schließlich stünden Delikte der Kategorie gefährliche Körperverletzung im Raum.

Die Beweislage für den Jüngsten aus dem Trio, darauf hatte dessen Anwalt Heinz Taubmann hingearbeitet, erwies sich als zu dünn für eine Verurteilung. Anders sah das bei dem Brüderpaar aus, das im Sinne der Anklage schuldig gesprochen wurde.
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