Die Ein-Mann-Show

Applaus, Applaus: Die Zuschauer hievten Metzgermeister Herbert Hottner, Schauspieler aus Leidenschaft, am Theaterabend "Heute weder Hamlet" auf den Darstellerthron. Bild: Hartl

Er hatte nicht nur die Hauptrolle. Er spielte als Einziger überhaupt eine Rolle. 75 Minuten lang so das Publikum im Stadttheater unterhalten? Puh. Schon allein dafür gebührte Herbert Hottner Applaus. "Heute weder Hamlet" feierte am Samstag Premiere.

Mit dem Einstieg in ein Theaterstück verhält es sich wie mit dem Betreten eines fremden Hauses. Instinktiv mustert man die Umgebung, registriert Besonderheiten, sucht nach Bekanntem. Im sehr gut besuchten Stadttheater in Amberg ist am Samstagabend der Bühnenraum schwarz: keine Kulisse, nur nackte Wand mit Kabeln, Rohren, Leuchten, Monitor. In der Mitte sechs schwarze Holzstühle, ein Dreifach-Podest und alles ist überpudert mit schwarzem Hollywood-Schnee. Ein rotes Stück Stoff liegt wie achtlos hingeworfen.

Einen Traum erfüllt

Hier soll Rainer Lewandowskis Tragikomödie "Heute weder Hamlet" gespielt werden. In der Hauptrolle Herbert Hottner. Eigentlich ist er in seiner Heimatstadt als Metzgermeister und Gastronom bekannt. Jetzt erfüllt er sich einen Traum. Nach einem Jahr Zusammenarbeit mit der Profitheaterfrau Bettina Schönenberg tritt er vor Publikum in einem Ein-Mann-Stück auf. Er schlüpft in die Rolle des Ingo Sassmann, der in seinem Leben viele Höhen und Tiefen erlebt hat. Als Schauspieler gab er in Kassel und Trier einen umjubelten Hamlet. Der Karrierebruch kam in Bruchsal.

Dort hat der Striese spielende Intendant während der Premiere vom "Raub der Sabinerinnen" das Gebiss verloren und er, der den Professor Gollwitz gab, hat es angeblich unabsichtlich an die Rampe gekickt. Das hatte seine Degradierung zur Folge. Seitdem bestimmt der Bühnenvorhang sein Schicksal. Er ist nämlich Vorhangzieher. Ab und an hilft er aber auch beim Auf- und Abbau des Bühnenbildes - so auch am Samstagabend. Jetzt muss Herbert Hottner zeigen, was er kann, wie er die Bühne füllen und das Publikum unterhalten will. 75 Minuten lang erzählt er als Ingo Sassmann aus seinem Berufs- und Privatleben.

Vom Leben geschminkt

Seine Frau Rebecca war einst eine hoffnungsvolle Schauspielerin, bis sie als Julia, samt dem Balkon abstürzte und danach Garderobiere und depressiv wurde. Er bringt dem Publikum Shakespeares "Hamlet" näher, plaudert vom demütigenden Vorsprechen, philosophiert über das Vorhangziehen von Hand und demonstriert die Unterschiede. Seine Weisheiten: "Der Vorhang ist das Wichtigste am Theater" und "Die Automation ist der Tod jedes lebendigen Vorhangs".

Hottner benötigt keine Maske, das Leben hat ihn geschminkt. Er steckt in weiter Trekkinghose, darüber ein schwarzes Shirt mit Aufdruck "Berliner Ensemble" im roten Riesenbutton über dem Bauch. Ein hoher Anspruch verbirgt sich hinter diesen zwei Worten, die sich mit Brecht und Peyman, der als einer der bekanntesten Theatermacher Deutschlands gilt, verbinden. Hottner muss sich nicht verstecken. In der gelungenen Inszenierung von Bettina Schönenberg bringt er sein Publikum zum Lachen und Weinen. Er schindet, schuftet, schont sich nicht, er verschiebt und dreht die Bühnenpodeste um 90 Grad und schon ist die Seitenansicht des Lebens fertig. Überzeichnungen vermeidet er. Mit Intensität und großer Ausdruckskraft erreicht er das Publikum, das ihm immer wieder stürmisch applaudiert. Illusion und Wirklichkeit, Schein und Sein, Wahrheit und Lüge - Herbert Hottner verknüpft die Elemente und demonstriert gekonnt: "Theater ist immer nur als ob."

Perfekt sitzt die Krone

Als ob er immer schon auf der Bühne stehen würde, so gut passt ihm die Rolle. Perfekt sitzt auch die Krone auf seinem Kopf - egal ob die Spitzen nach oben oder nach unten deuten. Er hat mit Leidenschaft an sich gearbeitet und am Ende sein Ziel erreicht. Das Publikum fühlte sich in dieser Theateraufführung sehr wohl und spendete großzügig Beifall.
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