Die feinen Facetten der anderen Leute

Es ist alles - und doch vielleicht ein bisschen anders. Mit den "Balkonszenen" von John von Düffel konnte die Theatergruppe der FOS/BOS das Publikum überzeugen. Bild: Hartl
Was die Theatergruppe der FOS/ BOS in der voll besetzten Mehrzweckhalle der Schule präsentierte, war mehr als Laientheater von Schülern - es war hohe Spielkunst. So hatten sich die beiden Regisseure Burkhart Häusler und Winfried Sima an ein ganz modernes Stück gewagt: "Balkonszenen" von John von Düffel, amtierender Dramaturg am Deutschen Theater in Berlin.

Dennis Altenhof zog das Publikum bereits mit dem ersten Schritt auf die Bühne als Ansager in seinen Bann. Der Ort und die Zeit des Geschehens: Der Balkon eines Hauses, in dem ein rauschendes Fest stattfindet. In Zweier- oder Dreierpaaren flüchten sich Gäste auf den Balkon und lassen die Zuschauer Zeuge ihrer Unterhaltungen werden, deren Hintergründe sich erst nach und nach erschließen.

Schon in der ersten Szene wird klar, dass sich die Zuschauer nicht auf ihr erstes Urteil verlassen sollten, denn die beiden Frauenfiguren Alexandra (Theresa Linhard) und Simone (Sophia Gräfenhahn) outen sich nach und nach als vermeintliches Liebespaar und machen damit erste Eindrücke zunichte. Schon taucht Mr. Shade (Igor Ewert) auf und klebt Alexandra am Hosenbein.

Dies führt im späteren Verlauf zu grotesken Situationen, als ein weiterer Verehrer Alexandra verführen möchte. Die nächsten Szenen führen weitere Charaktere ein: Reinhard (Dennis Altenhof) zeigt sich als "Kriecher" vor seinem berechnenden Geschäftspartner (Lorenz Feja) möchte um jeden Preis bei den anderen ankommen - auch wenn er sich dabei selbst sichtlich akrobatisch verbiegen muss.

Der "andere" Richard

Jacob Katana überzeugt mit wahnwitzigen Verrenkungen als Mann, der seine verstorbene Frau im Ohr hört. Der zuerst Mitleid erweckende, sich selbst erniedrigende Richard (Chris Kurzweil) vergöttert Ruth (Theresa Kotz). Deren Beschimpfungen dann einen anderen Richard. Dann kommt noch der desinteressierte Einzelkämpfer (Devin Burris), es folgt die Journalistin (Katharina Kraus).

Nach einer kurzen Pause präsentierte die schauspielerisch auf hohem Niveau agierende Truppe immer neue Gruppenkonstellationen aus den Charakteren. Trotz der typischen Züge der Figuren mussten die jungen Akteure auch andere Facetten an ihnen zeigen, was ihnen mit Bravour gelang. Neben Stimmskulpturen und pantomimischen Szenen fesselten die Schauspieler ihr Publikum auch mit einer Live-Gesangs-Einlage und sorgten so für nachdenkliche, aber auch unterhaltsame Kurzweil bis zum Schluss. Die Zuschauer dankten es ihnen mit minutenlangem, stürmischem Applaus.
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