Die frühen Bergfest-Vögel

Der Bratwurst-Brater: Peter Weigl (57).

Die Zwitscherprofis auf dem Mariahilfberg geben alles. Es ist ihr Moment. Das Konzert des Federviehs im Wald ist ohrenbetäubend. Der frühe Vogel fängt eben den Wurm. Das wissen auch die Arbeiter rund um das Bergfest. Hinter den Kulissen beginnen kurz vor 7 Uhr die Aufräumarbeiten. Die ersten Pilger kommen.

7 Uhr, Bergfest: Verlassene Bierkrüge stehen auf den Tischen und warten darauf, gewaschen zu werden. In einem Zelt brennen noch Glühbirnen. Während eine Bedienung den Schotterboden recht, muss Hedwig Bauer die frischen Spitzln, Brezen und Semmeln einsortieren. Seit 6.30 Uhr ist die 58-Jährige unterwegs. Keine Minute zu früh. Ein Rentnerehepaar will wissen, wann es etwas zu kaufen gibt.

Überstunden gespart

"Vor 40 Jahren hat um diese Uhrzeit schon alles geraucht", erzählt die Bäckereiverkäuferin mit Blick auf die Wurstbuden. Jetzt könne sich kaum eine Familie mehr einen Tag auf dem Bergfest leisten. "Die sind ja 100 Euro zu viert los." In der Früh finde sie es am schönsten. "Und wenn die Soldaten kommen und alles voll ist." Zwei Buden weiter schüttet Werner Wunschel Butzlküh in den Grill. Der Brater ist seit 6 Uhr auf den Beinen. Kollege Peter Weigl hat 15 Minuten nach 7 Uhr die ersten weißen Würste auf dem Grill. Der Straßenwärter sparte seine Überstunden vom Winter an, um auf dem Bergfest zu grillen - seit 1973. "Und auch wenn ich keine Überstunden hätte, würde ich dafür Urlaub nehmen", sagt der 57-Jährige. "Wenn man den Berg kennt, dann liebt man ihn. Moanat ich etz." Weisheiten gibt's am Grill kostenlos.

Eine Gruppe Jugendlicher sitzt auf Kohlen. "Wann gibt's was zu essen?" fordern sie lautstark. "Keine fünf Minuten mehr", verspricht der gelernte Metzger. 7.30 Uhr: Der Schore-Bauer aus Raigering klaubt Müllreste vor dem Freialtar auf. "Ist doch schöner, wenn Fremde kommen, und es ist alles sauber", sagt er, bezeichnet sich selbst augenzwinkernd als 15. Nothelfer und erzählt, dass er heute schon zwei Stunden gemolken habe. "Aber der Berg, der gehört zu meinem Leben. Die Gemeinschaft im Kloster ist wunderbar." Zwei Eimer voll Müll sammelt er meistens ein. Heute ist es nicht so schlimm. Die Stadt habe schon die Papierkörbe ausgeleert.

Am Berg wird gewischt, geputzt, gerecht. Tausende werden heute kommen. Sebastian Koller kehrt vor dem Süßigkeitenstand die Überreste des gestrigen Tages zusammen. "Freilich macht mir das Spaß", betont er, "einerseits ist es ein Nebenerwerb, andererseits trifft man am Berg nette Leute". Als Amberger gehöre es für ihn dazu, seinen Beitrag zum Gelingen des Festes zu leisten. Dafür nimmt der 30-Jährige Urlaub. So wie Michael Honig, der als Ausschenker seinen Tag damit beginnt, Zitronen zu schneiden. "Seit 16 Jahren bin ich jetzt dabei. Erst habe ich unten am Parkplatz gearbeitet, heuer das erste Mal hinterm Tresen." Normalerweise schiebt er Dienst im Rettungswesen. "Hier kann man prima dem Alltag entweichen. Und es ist ein nettes Zubrot", sagt der 29-Jährige.

Stress am Morgen

Kurz nach 8 Uhr nehmen viele ältere Menschen Platz auf den Kirchen-Bänken unter freiem Himmel. Sie suchen innere Einkehr. Hinter dem Freialtar haben zu dieser für Geistliche fortgeschrittenen Stunde weder der Meßner noch die drei Pfarrer Zeit für ein Interview. Alle sind im Stress. Der erste Gottesdienst am Freialtar unter schattigen Bäumen beginnt. Gitarrenklänge und Gesänge übertönen das laute Vogelkonzert. Es ist erstaunlich leise geworden im Wald. Gezwitschert wird ab jetzt unterm Zeltdach.
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