Die gute alte Sperrzeit

Es geht nicht um die Musik beim Altstadtfest nach 23 Uhr. Und auch nicht um laute Kinder auf Spielplätzen. Den Anwohnern von Kneipen ist die ganz normale Nachtruhe ein Anliegen. Am Samstag vor einer Woche kamen in der Amberger Zeitung Wirte zu Wort. Jetzt melden sich zwei Anwohner.

"Ich bin einer der in Ihrem Text genannten Anwohner der Discothek Tenne", schreibt Volker Ignatz in einer Stellungnahme. Einige Zitate des Betreibers der Discothek möchte der Bewohner der Zehentgasse nicht unkommentiert lassen. Richtig sei, dass es vor etwa zwei Jahren auf Initiative mehrerer Nachbarn eine Unterschriftenaktion gab, die zum Ziel hatte, auf die regelmäßig am Wochenende stattfindenden extremen Ruhestörungen, Sachbeschädigungen und Verunreinigungen durch Gäste des Lokals aufmerksam zu machen und deshalb die Sperrzeit zu verkürzen.

"Dreiste Behauptung"

"Die Wohnqualität der unmittelbaren Anwohner war und ist zum Teil derart gestört, dass man zu diesem Mittel gegriffen hat. Es gab bereits im Vorfeld Gespräche mit dem Betreiber und dem Ordnungsamt, die leider im Großen und Ganzen ohne Wirkung blieben." Als Ergebnis sei im Laufe der folgenden Monate das Sicherheitspersonal aufgestockt worden - mit mäßigem Erfolg. Die Lärmbelästigungen bis morgens um 5.30 Uhr seien jedenfalls nicht wirksam eingedämmt worden. Die eigentliche Forderung, die Sperrzeit zugunsten der Anwohner zu verändern, sei im Keim erstickt worden. "Mich als Beschwerdeführer zu bezeichnen ist allerdings schon eine sehr dreiste Behauptung des Betreibers der Tenne", erklärt Ignatz. Viele Nachbarn seien froh gewesen, dass zwei Personen nach vielen Gesprächen die Initiative ergriffen hätten und quasi in der Öffentlichkeit ihre Köpfe hinhielten. Man sei ganz schnell großen Anfeindungen ausgesetzt.

Seiner Meinung nach ist es ein riesiger Unterschied, ob sich jemand beschwert, weil beim Altstadtfest die Musik zehn Minuten nach 23 Uhr erst aufhört ("Was ich persönlich auch für völlig überzogen halte.") oder ob man sich über immer wiederkehrende Ruhestörungen beklagt.

Die Aussage "Es war 30 Jahre lang ein Tanzlokal, acht Jahre ein Table-Dance-Laden ... Aber wenn neue Anwohner herziehen ... und reden nicht mal mit dem Gastwirt, dass es Ihnen zu laut ist" zeuge von Ignoranz. Tatsächlich hätten in den Anfangsmonaten der Tenne mehrfach Gespräche mit dem Betreiber stattgefunden. "Leider kam da außer dem Verständnis, das grundsätzlich gezeigt wurde, nichts zurück. Die nächtlichen Eskapaden gingen weiter." Alle Anwohner, die an der Unterschriftenaktion teilnahmen, wohnen zum Teil schon weitaus länger hier, als es die Tenne gibt. Solange der Betreiber nicht bereit sei, ernsthaft etwas für ein gemeinsames Miteinander zu tun, sieht Volker Ignatz wenig Hoffnung auf Änderung. "Die logische Folge wird dann irgendwann sein, dass von Amts wegen zu deutlich drastischeren Maßnahmen gegriffen werden muss, wie es in anderen Kommunen zum Teil der Fall ist."

Einen klaren Unterschied möchte Wolfgang Ignatz aus Kümmersbruck zwischen dem Geräuschpegel einer Traditionskirwa oder einem Altstadtfest und dem ganzjährigen Dauerlärm einer Kneipe mit Anwohnern in der Nachbarschaft machen. "Der Artikel in der Samstagsausgabe enthüllt ein unterschwelliges Verständnis für die Wirte und ein allzu offenes Ohr für die Polizeiarbeit. Wo bleiben die Stimmen der vielen betroffenen Bürger, die unsere schöne Altstadt beleben und bewohnen?", stellt Ignatz die Frage. Er habe selbst zwölf Jahre am Marktplatz gewohnt, kenne das Nachtleben und auch die Probleme der Anwohner.

Vier Brennpunkte

Mit dem Pächter des Café Zentral, Herbert Hottner, und den Bedienungen, habe er immer wieder Gespräche geführt, mit der Bitte, Bescheid zu geben, wenn ein DJ-Abend, eine Tanzveranstaltung oder ähnliches geplant sei. "Dem wurde so gut wie nicht nachgekommen. Ich musste mich schon selber über die Plakataushänge oder das Internet schlau machen, wann der Lärmpegel nachts wieder in den roten Bereich kippen könnte." In der Altstadt hat Wolfgang Ignatz vier große Brennpunkte erkannt, an denen am Wochenende der Wirtshauslärm bis um 6 Uhr morgens zum Straßenlärm wird: Tenne (Malteserplatz), Visa-à-vis (Lederergasse), Only One (Ziegelgasse), Alibi (Hafnergässchen).

Ignatz verweist auf ein Münchener Modell. In Schwabing werde den Wirten von der Stadtverwaltung die Beaufsichtigung lauter werdender Gäste im Biergarten oder vor der Eingangstüre für die Einhaltung der nächtlichen Ruhezeit bis zur Sperrzeit um 24 Uhr verordnet. Bei Zuwiderhandlung gebe es eine Abmahnung. "Bei nochmaliger Zuwiderhandlung erfolgt drakonisch der Lizenzentzug und die Vergabe der Kneipe an einen neuen Wirt, der die Verordnung einhält." Für das Problem in der Stadt an der Vils schlägt Wolfgang Ignatz "das Amberger Modell" vor. "Das wäre meiner Meinung nach die gute alte Sperrstunde. Am Wochenende ist um 3 Uhr Schluss."
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