Die Idylle mit acht Ecken

Zumindest in seinem Namen trägt das Atzlrichter Kirchlein die weiße Pracht: Maria Schnee gehört aber auch im derzeit eher österlich denn weihnachtlich anmutenden Ambiente zweifellos zu Ambergs besonderen "Schätzen". Bild: Hartl

Für viele ist es die perfekte Idylle, rund um Maria Schnee in Atzlricht. Irgendwie sieht es so aus, als wäre das Kirchlein schon immer dort gewesen. Das stimmt natürlich nicht, weiß Stadtheimatpflegerin Beate Wolters - und öffnet damit für die Leser heute das letzte Türchen des AZ-Adventskalenders.

"Maria Schnee - das ist wirklich idyllisch", schwärmt Wolters. Einer, der das besonders gut in Worte gefasst habe, sei der Amberger Schriftsteller Eckhard Henscheid. "Was er über das Kirchlein sagt, gefällt mir wirklich sehr, das ist wunderbar - zwei Sätze, die beschreiben es einfach wunderschön", sagt Wolters und zitiert die Passage aus Henscheids Buch "Maria Schnee": "Aus der etwas größeren Entfernung sah jetzt das Kirchlein aus wie ein dickes, weißen Kätzchen, welches sehr sanftmütig im Grünen lagerte und alles ruhig wohl besah. Es saß im Gras, als habe es schon immer da gesessen und wollte es auch weiter tun."

"Schon immer" ist hier natürlich relativ: Das Kirchlein von Atzlricht ist nach Wolters 1664 entstanden. "Damals hat Freiherr Franz Albrecht von Gobel, der Besitzer des Landstrichs, der Hofmark Atzlricht, diese kleine Kapelle erbauen lassen." Ein wenig ungewöhnlich sei die Form eines Oktogons, mit einem angesetzten Quader, dem Chor, aus dem der Turm herauswächst. "Die eigentliche Kirche ist das Achteck. Das ist wirklich ein bisschen eigenartig", meint die Heimatpflegerin. Wunderschön sei in jedem Fall die Turmzwiebel, die man von überall her sehe.
Innen ist das Kirchlein nach Wolters Worten 1723 noch einmal verändert worden, und zwar im hochbarocken Stil: "In den Ecken ist eine Pilasterordnung, darüber kommt über einem schön profilierten Gebälk eine achtteilige Flachkuppel." Der Altarraum sei mit einem Gitter abgeschlossen. "Auf dem Altarblatt ist die Maria-Schnee-Legende verewigt - so, wie sie sich in Rom zugetragen haben soll", erklärt Wolters.

Solche Maria-Schnee-Kirchen haben sich nach den Worten der Stadtheimatpflegerin vor allem in der Barockzeit im ganzen Land, vor allem aber in Süddeutschland ausgebreitet - "wohl einfach in der Zeit der Gegenreformation". Meist hätten Jesuiten den Bau angeregt, denn diese "waren ja mit der Gegenreformation betraut". Wolters kann sich gut vorstellen, "dass es auch bei uns so gewesen ist" und die Jesuiten "einen guten Anteil" am Atzlrichter Kirchlein hatten, indem sie Freiherr von Gobel zum Bau "inspirierten".

Vielleicht, so fügt sie mit einem Augenzwinkern hinzu, "hat es auch bei uns im August mal Schnee gegeben. Es soll ja immer wieder mal vorgekommen sein, dass es mal irgendwo über Nacht Reif gegeben hat - und dann kommt die Legende ins Spiel". Immerhin sei damals die Zeit der "kleinen Eiszeit" gewesen. "1664 passt da ganz gut", nachdem für 1661/62 wahnsinnig strenge Winter dokumentiert seien. Genau aber "wissen wir es nicht". Aber vielleicht trägt ja gerade das auch zum besonderen Charme von Maria Schnee bei.
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