Die Liebe höret nimmer auf

In der Stadtbibliothek gab es eine derbe, aber höchst amüsante Vorstellung von Schauspielerin Monika Manz und Musikerin Susanne Weinhöppel mit Geschichten aus dem bayerischen Dekameron und Ausschnitten aus den Romanen "Bolwieser" und "Anton Sittinger". Bild: Steinbacher

Dirndldeftig und krachlederndrastisch ging es zu in der Stadtbibliothek: Die Münchner Schauspielerin Monika Manz pickte pikante Textpassagen aus Oskar Maria Grafs Büchern "Die Ehe des Herrn Bolwieser", "Anton Sittinger" und "Das bayerische Dekameron" heraus.

Musikerin Susanne Weinhöppel steuerte Eigenes, Klassisches und Volkstümliches auf der Harfe bei. Brav gescheitelt und im typischen Trachtengwand saß Monika Manz am mit Herbstblumen dekorierten Tisch.

Sentimental oder wild

Auf losen Blättern brachte die Schauspielerin ihre Textauswahl von derben und amüsanten Geschichten mit. Mal handfest und rau, dann anrührend sentimental oder wild bayerisch, schluchzend oder hingebungsvoll säuselnd - sie zauberte eine sinnlich-sündige Atmosphäre. Den bayerischen Weiber- und Mannerleut lieh sie nicht nur ihre dunkle Stimme, sie schlüpfte auch in die Rollen der Graf-Figuren, auch wenn sie sich doch ab und zu etwas unkonzentriert in der Stimmlage vergriff.

Da wären mal die Wirtshausbesucher aus der Erzählung "Die Liebe höret nimmer auf". Diese schamlosen Burschen lassen regelmäßig an der Kegelbahnwand ihr Wasser. Das tun sie extra gerade dann, wenn die Steinbeisser-Dirn dort vorbei muss, wenn sie Dung fährt. Die schneidige Thekla ist aber eigentlich gar nicht so zimperlich. Sie mag ja den Lenz sovui gern und landet eines Tages mit ihm auf dem Strohhaufen hinter Ross- und Saustand, was den Rappen wiederum zu recht eigenwilligem Tun animiert. Manz kennt auch den Anton Sittinger, der durch gemeine Intrige den Leutnant Eibenthaler, der seine Frau Malwine verehrt, aus dem Rennen schlägt. Dann wäre da noch der Fall des Bahnhofsvorstandes Bolwieser, ein braver aber im Denken etwas beschränkter Bahnhofsvorstand, der von der heißen Nacht mit seiner Frau in den höchsten Tönen schwärmt.

Erotisch mit Musik

Das erotisch-wilde Geschehen kommentierte Susanne Weinhöppel mit ihrem Instrument und ihrer Stimme. Sie zupfte und sang, setzte Akzente und ging auf unterschiedlichste Stimmungen ein.
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