Die Politik im Klassenzimmer

In den Klassenräumen stellten die Wirtschaftsschüler vor, mit welchen Themen sie sich beschäftigen - zum Beispiel mit 3D-Drucker.

Noch vor zehn Jahren gab es im Landratsamt eine Ausbildungsplatzbörse. Heute braucht die kein Mensch mehr. Warum? Auf einen Jugendlichen kommen 1,4 Lehrstellen. Zahlen, Fakten, Thesen und Theorien hörten am Samstag die Abschlussklassen der Wirtschaftsschule beim "Talk in der Ziegelgasse".

Die illustre Gesprächsrunde ist beim Tag der offenen Tür schon gute Tradition. Heuer saßen Oberbürgermeister Michael Cerny, Dr. Rolf Pfeiffer, Vorsitzender des IHK-Gremiums und Deprag-Chef, Franz Elsner, Geschäftsstellenleiter der Amberger Arbeitsagentur, und der Zweite Bevollmächtigte der IG Metall, Udo Fechtner, am Podium und stellten sich den Fragen der Schüler. Rund eineinhalb Stunden ging es ans Eingemachte, mit Themen, "die gerade für die Fächer Volkswirtschaftslehre und Sozialkunde wichtig sind", sagte Moderator Günter Simmerl.

Gibt schwächere Regionen

Darunter waren auch für "Kommunalpolitiker schwierige Fragen", wie beispielsweise zur Schuldenkrise in Griechenland und dem sogenannten "Grexit", dem Austritt aus der Eurozone. Schülerin Maria wollte von Cerny wissen: "Sind weitere Finanzhilfen für Griechenland unseren Bürgern noch zu vermitteln?" "Nur wenn ein Kurswechsel kommt", lautete die Antwort des Oberbürgermeisters, "also wenn ein Wille da ist, wenn nicht, dann sollte man kein weiteres Geld nachschießen". Auf gewohnterem Terrain, der Amberger Stadtpolitik, zeigte sich der Oberbürgermeister "sehr, sehr zufrieden" über die Ergebnisse der Behördenverlagerung. "Wenn man bedenkt, dass das Ziel war, strukturschwache Regionen zu stärken, können wir dankbar sein, derart berücksichtigt worden zu sein. Da gibt es ganz andere Regionen in Nordbayern." Natürlich interessierten sich die Wirtschaftsschüler auch dafür, was in unmittelbarer Nachbarschaft geplant wird. Mit dem Bürgerspitalgelände und der Forum-Immobilie habe die Stadt eine Fläche zur Verwertung, wie sie in der Altstadt vermutlich kein zweites Mal zur Verfügung stehen werde, formulierte Schüler Dew.

Eine gute Mischung

Er wollte wissen, ob es einen gemeinsamen Plan für beide Areale gebe. Eine Mischung aus Wohnen und Dienstleistung sei hier angedacht, sagte Cerny. Der Ort hinter der Spitalkirche, logischerweise etwas versteckt, biete sich weniger für Geschäfte, sondern für modernes Wohnen in der Altstadt an. Pfeiffer merkte an, dass der "Bedarf an Einzelhandelsflächen rückläufig" sei. "Viele haben das schon verstanden." Deshalb liege das Augenmerk auf dem Wohnen. "Und wir glauben, dass wir grundsätzlich in der Altstadt so viel Parkplätze wie möglich brauchen. Denn die, die hier wohnen sollen, haben auch ein Auto." Für die jungen Zuhörer interessant war die Aussage von Franz Elsner über den aktuellen Arbeitsmarkt: "Wir müssen von der Geschlechterverteilung bei den Berufen wegkommen und auch Mädchen in technische Berufe bringen."
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