Die Punkabilly-Band Sewer Rats im Trio - Da werden Sehnsüchte wach - Auch nach mehr Publikum
Punk-Ratten, die auch säuseln können

Es wehte ein Wind der Sehnsucht durch das Trio, als die Kölner Punkabilly-Band Sewer Rats auf der Bühne stand. Ihr Sänger Chris Gin erzählte Anekdoten aus fernen Ländern. Die gehen in etwa so. In China kennt niemand den Namen Elvis Presley. Also blieb es dort völlig ruhig, als die Band auf einer ihrer Touren ihren Elvis-Coversong ankündigte. Danach erzählte der Veranstalter, dass Elvis in China Mao Wang heißt. Danach ging der Punk ab.

Die Sewer Rats aus Köln beziehungsweise Berlin haben sich einen Namen als eine der wenigen erfolgreichen Punkabilly-Bands in Europa und weit darüber hinaus erspielt. Weit über 400 Konzerten weltweit. Sie tourten durch Europa, China, Japan und die USA, zurück blieb jeweils eine Fangemeinde. Angesiedelt zwischen coolen Stray-Cats-Nummern und frühen Social Distortions, verfeinert mit alten Rancid-Klängen, klingt es, als ob Brian Setzter und Mike Ness zusammen mit dem guten alten Hank Williams in einem Proberaum jamen würden. Ganz nebenbei während einer heißen Sommernacht und einem kühlen Bier, vielleicht noch ein paar Skateboardtricks übend.

Galant bis witzig

Ihre erste CD war ein Split mit der berühmten schwedischen Rockabilly-Band The Peacocks. Von da an ging es bergauf. Dass die drei Kanalratten viel touren, merkte man im Trio von der ersten Sekunde an. Sie beherrschen ihre Instrumente, können galant bis witzig mit dem Publikum umgehen und sie lieben die Bühne. Dabei sind sie jedoch alles andere als abgeklärt: Der Punk atmet in ihren Songs und ihrem Auftritt. Hier mal (sympathisch) verspielt, da mal aus Versehen das Gitarrenkabel ausgesteckt und spontan das Hemd ausgezogen und gegen eine Weste getauscht.

Hier regiert Spontanität, die Lust auf den Brettern, die die Welt bedeuten, zu stehen und mit den Clubbesuchern eine Party zu feiern. Ihre Songs bedienen sich aus den Genres Punk, Rockabilly und Rock'n'Roll und haben einen einzigartigen, energetischen Flair. Was auf Platte schon gut klingt, entfaltet dann live erst seine ganzen Ausmaße. Ein mitreißender Auftritt einer spielfreudigen Band, die für ihre Musik brennt.

Live, da kriselt's etwas

Support des Abends waren AKD aus dem Kastler Gebirge. Punk Rock pur gab es da auf die Ohren, mit Energie gespielt und mit Herz vertont. Zwar waren einige Liebhaber der live gespielten Musik im Trio, jedoch hätte mehr los sein können. Vor allem bei einer Band des Kalibers Sewer Rats, die ihre Bahnen um den ganzen Erdball zieht. Aber der abnehmende Zuspruch im Live-Sektor und der Boom des elektronischen Mainstreams ist eine Geschichte, die andernorts zu diskutieren wäre.
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