Die Sicht vor 500 Jahren

Bekannt wurde Dr. Hartmann Schedel durch die von ihm verfasste und nach ihm benannte Weltchronik. Sie erschien in einer lateinischen und einer deutschen Ausgabe 1493 bei Anton Koberger (um 1440-1513) in Nürnberg im Druck.

Gestern jährte sich der Todestag des Arztes, Astronomen, Geographen, Büchersammlers und Humanisten Dr. Hartmann Schedel zum 500. Mal. Seine Chronik verdankt ihre bis heute ungebrochene Popularität vor allem den Städteansichten, die jedoch nur einen Teil der 1809 Holzschnitte ausmachen.

Weniger bekannt dürfte der Umstand sein, dass Dr. Hartmann Schedel einige Jahre als Stadtarzt in Amberg wirkte. Der am 13. Februar 1440 in Nürnberg geborene Dr. Hartmann Schedel kam 1477 nach Amberg. Ein um 1475 gemaltes Porträt Schedels zeigt einen "jungen, schlanken Mann mit blondem Haar in roter Gelehrtentracht" (Béatrice Hernad). Sicherlich war der junge "Doctor" eine auffällige Erscheinung in Amberg.

Nürnberger Ärzteeid

Das Datum, an dem Schedel in die Dienste der Stadt trat, überliefert ein Eintrag im "Eid- und Gesatzbuch der Stadt Amberg", das - in der Mitte des 15. Jahrhunderts entstanden - die Eidesformeln der Amtsträger überliefert. Als Nachtrag findet sich darin der Eid, den "der stat Amberg doctor vnd phisicus" zu leisten hatte. Dabei hielt der Schreiber im Zusammenhang mit dem Eintrag dieser Eidesformel fest, dass "dominus Hartmann Schedl diesen Eid am mitwoch vor Galli [...] anno etc. LXXVII, am 15. Oktober 1477", geleistet hatte.

Demzufolge war Schedel nicht nur der erste, der auf diesen Eid verpflichtet wurde, sondern der Text des Eides fand auch erst nach seiner Vereidigung Aufnahme in das städtische Amtsbuch. Der Amberger Text entspricht "in seinem ersten Abschnitt fast wortgetreu, nur etwas gekürzt, dem Nürnberger Ärzteeid von 1332/60" (Karlheinz Bartels) und war vielleicht erst von Schedel nach Amberg gebracht worden.

Er gibt einen Einblick in die Tätigkeit des Stadtarztes. Nach der grundsätzlichen Verpflichtung, das er "all siechen, die im zukomen bewaren vnd ertzneien sol, so er pesste kan vnd mag, findet sich die Einschränkung, dass er kein recept selbs machen sol".

Die Herstellung der Medikamente fiel demnach in den Zuständigkeitsbereich des Apothekers, mit dem der Stadtarzt "kein gemeintschafft haben durfte, weil dardurch die kranckhen beswert werden mochten". Vielmehr oblag ihm die Aufsicht über die Apotheke, die er einmal jährlich zu visitieren hatte. Des Weiteren wurde er darauf verpflichtet, dass er ohne Zustimmung des Bürgermeisters die Stadt über Nacht nicht verlassen durfte.

In Padua studiert

Schedel war erst der zweite akademische Amberger Stadtarzt überhaupt. Vorbedingung für die Anstellung als doctor physicus war der Abschluss eines akademischen Studiums. Schedel hatte am 17. April 1466 das Privilegium doctoratus in medicinis der Universität Padua erlangt. Wie aus der Vereidigung seines Nachfolgers, Dr. Johannes Vinck, hervorgeht, erwarb Schedel das Amberger Bürgerrecht nicht. Das Wirken Dr. Schedels als Stadtarzt in Amberg lag bis zur Entdeckung der von ihm hier geführten Rezeptbücher weitgehend im Dunkeln. Diese geben nicht nur Einblick in den ärztlichen Alltag des spätmittelalterlichen Arztes, sondern nennen neben den verschriebenen Arzneimitteln auch seine Patienten namentlich.

Siechenstube eingerichtet

Eine Auswertung dieser Amberger Patientenlisten nimmt derzeit Kathrin Reichert innerhalb ihres Dissertationsvorhabens an der Universität Würzburg vor. Sie dürfte auch zeigen, dass Schedel vor allem zu den führenden Geschlechtern in Kontakt stand.

Bislang ließ sich im Zusammenhang mit Schedel nur einmal nachweisen, dass er präventive Maßnahmen zur Abwehr von Seuchen und Krankheiten ergriff. So richtete er einem Ratsbeschluss vom 26. Januar 1478 zufolge im Spital eine Siechenstube ein, in die die Kranken gebracht werden sollten, die "vbl smecken, rinend pain, oder ander geprechen haben, di in der gemeinen stuben der siechen nit zuleiden sein", also eine Art Quarantäne.
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