Die Spuren des 6. Infanterieregiments aus Amberg im Ersten Weltkrieg

Sogar die Amberger Straßen erzählen vom Ersten Weltkrieg. Vier Stück sind es, an denen sich der Weg des hier beheimateten 6. Infanterieregiments durch die Schlachtfelder nachvollziehen lässt.

Straßen des Krieges

Lothringer Platz

Anfang 1914 werden die "Sechser" an die französische Grenze verlegt und erleben bei der Schlacht in Lothringen ihre "Feuertaufe". Die relativ hohen Verluste des Regiments können angesichts der bayerischen Erfolge die Stimmung noch nicht wesentlich trüben.

Mihielstraße

St. Mihiel ist ein Städtchen südlich von Verdun. Das 6. Infanterieregiment erobert es am 24. September 1914. "Wie an diesem Tage die Stellung festgelegt wird, so wird sie auch bis zum Juli 1916 vom Regimente gehalten, vielen wütenden Angriffen zum Trotze", schreibt Georg Lang in der Regimentsgeschichte. So verlieren die "Sechser" Mitte November 1914 bei einer dreitägigen französischen Attacke 220 Mann. Der Ort ist so umkämpft, weil er einen deutschen Frontvorsprung bildet. "Der Pfahl in den französischen Stellungen bei St. Mihiel bereitet den Franzosen nachhaltige Schmerzen", heißt es bei Lang. Die Unterkünfte in der Stadt kommen Lang aber wie "das Ideal der Frontquartiere" vor.

Fleurystraße

"Der Hölle entgegen" hat der Regimentshistoriker die Verlegung nach Verdun im Juli 1916 überschrieben. Der erste Blick auf das Gelände um das umkämpfte Fort Douaumont ist ein Schock für ihn: "Es ist, als wenn ein Riese diese Bergkuppe in seinen Händen stundenlang geknetet, dann den ganzen Fortberg in den Mund genommen, gekaut und wieder ausgespien hätte. Granateneinschläge bis zu 15 m Tiefe bedecken den Boden, in den Wänden der Trichter sind wieder Einschläge; man weiß nicht, wo ein Trichter aufhört, wo der andere beginnt. Ich kenne den Vesuv bei Neapel: Er erscheint wie ein wohlgepflegtes Stück Land gegenüber diesem Höllenacker."

Fleury ist ein kleines Bauerndorf in der Nähe von Verdun, das in diesem Jahr 16-mal zwischen deutscher und französischer Besetzung hin- und herwechselte. Es wurde dabei vollkommen zerstört. Auch der Sturm auf Fleury ist mit dafür verantwortlich, dass Verdun hinterher als das "Grab des 6. Regiments" bezeichnet wurde: In 14 Tagen erleidet es Verluste von mehr als 1200 Mann.

Vimystraße

Im Winter 1916/17 ist das Regiment in sumpfigen Regionen Französisch-Flanderns stationiert. Im April 1917 soll es den Höhenzug von Vimy gegen die Briten verteidigen. Massengräber bei Vimy zeugen von der deutschen Niederlage.

Das namenlose Grauen

Nicht jede einzelne Station der "Sechser" im Weltkrieg hat im Amberger Straßennetz Niederschlag gefunden:

Die Ruhe in den Argonnen

Das Projekt des Beruflichen Schulzentrums in den Argonnen wandelt in einer Hinsicht auf den Spuren des 6. Infanterieregiments: Nach seinem verlustreichen Verdun-Einsatz kam es im August und September 1916 für fünf Wochen in diese hügelige und stark bewaldete Region nordwestlich von Verdun. Es lag in ruhigerer Stellung am Südrand des Waldes von Cheppy. In dieser Zeit besuchte der Kronprinz die Einheit und verlieh vielen Verdun-Kämpfern das Eiserne Kreuz.

Der Tod an der Somme

Sieben Tage hat das englische Trommelfeuer vor dem Angriff an der Somme Ende September 1916 gedauert, sagt Stabsfeldwebel Hubert Haas bei seinen Führungen durch die Militärhistorische Sammlung. "Die Gräben werden zu Gräbern", schreibt Georg Lang dazu. Mit den erstmals eingesetzten Panzern dringen die Engländer in die deutschen Stellungen ein. Innerhalb weniger Tage verliert das 6. Infanterieregiment mehr als 800 Mann.

Dem Ende entgegen

Nach der Schlacht auf den Vimyhöhen bekommt das Regiment seine erste Ruhe hinter der Front seit Kriegsbeginn. "Über 34 Monate ununterbrochene Kampfzeit" hat Georg Lang bis dahin errechnet. Im Oktober 1917 werden die "Sechser" bei Poelkapelle in die Flandernschlacht geworfen. Nach den dabei erlittenen Verlusten ist, wie es Lang formuliert, "die seelische Kraft des Regiments erschöpft". Abgesehen vom Sturm bei Croisilles während der Frühjahrsoffensive 1918 bestreitet es nur noch Rückzugskämpfe. (ll)
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