Die Stadt haut den Pflock rein

Lange zu warten braucht keiner, wenn er wissen will, weshalb die Anwohner der westlichen Seminargasse einen Sperrpfosten fordern. Die Durchfahrt für Pkw ist verboten. Bild: Hartl

Für Oberbürgermeister Michael Cerny ist es eine Frage der Glaubwürdigkeit. Wenn die Stadt etwas anordnet, soll das auch eingehalten werden. In der Seminargasse erweist sich das als frommer Wunsch. Deshalb wird gehandelt.

(zm) Diskutiert wurde nämlich auch schon viel und oft darüber, wie im westlichen Teil der Seminargasse unterbunden werden kann, dass dieser Geh- und Radweg als Schlupfloch für den Pkw-Verkehr genutzt wird. Offenbar ist es für relativ viele Autofahrer allzu verlockend, diese Route zu nehmen, obwohl sie mit Kraftfahrzeugen ausschließlich von Anliegern in Ost-West-Richtung befahren werden darf.

Anlieger wollen es

Ein Ortstermin Anfang Juli hat die Referatsleitung und Verkehrsbehörde offenbar überzeugt, dass ein Antrag der Grünen und 40 Unterschriften von Anliegern aus der Seminargasse nicht aus der Luft gegriffen sind. Sie wollen nicht im Einmündungsbereich, sondern etwas zur Mitte versetzt, einen umlegbaren Pfosten installieren lassen, damit eine Durchfahrt mit Pkws nicht mehr möglich ist. Den Einwand eines dort ansässigen Gewerbetreibenden, der auf Lkw-gebundenen Lieferverkehr angewiesen ist, er bekomme erhebliche Probleme, sieht Cerny entkräftet: Die Stadt hat es mit einem Feuerwehr-Fahrzeug ausprobieren lassen. Es klappt, auch wenn ein Sperrpfosten (Installation in Höhe der Anwesen Seminargasse 9 und 11) angebracht sein wird.

Nicht ganz ohne

Für vier Wochen hat es auch schon einmal einen gegeben, ließ die Verwaltung anklingen. Nach heftigen Protesten verschwand er wieder. Jetzt wollen Cerny und die überwiegende Mehrheit des Verkehrsausschusses (zwei Gegenstimmen) nicht mehr so nachgiebig sein. Weder die Verwaltung, noch der Oberbürgermeister und auch die Befürworter verhehlen, dass sie in dem Pfosten eine drastische Maßnahme sehen, die auch ein gewisses Gefahrenpotenzial in sich bergen dürfte.

Dieter Amann (SPD) bezog klar Position. Für Radfahrer, besonders wenn sie in der Gruppe unterwegs seien, stelle dieses Hindernis eine erhebliche Gefahr dar, argumentierte er. "Solange ich im Verkehrsausschuss sitze, wird es mit meiner Stimme so einen Pfosten nicht geben", begründete er seine Ablehnung.

Emilie Leithäuser (FDP) plädierte für eine etwas sanftere Lösung. Eine deutlich kenntlichere Ausschilderung reiche aus, blieb auch sie bei einem Nein. Doch Cerny, der nun wirklich nicht als Hardliner bekannt ist, zog eine klare Linie. Hier gehe es um den Lärmschutz für Anwohner, (Kopfsteinpflaster), die Gefahrenminimierung in einem "für Fußgänger und Radfahrer geschützten Bereich" und nicht zuletzt darum, dass eine von diesem Ausschuss erwirkte Verkehrsregelung "konsequent ignoriert" werde. Toleranz sieht der OB hier fehl am Platz. Dieser Haltung folgte das Gremium mehrheitlich.
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