Die Verbindung von Rhein und Donau war über
Doppeltunnel bedeutete Aus

Als die Planungen für den heutigen Rhein-Main-Donau-Kanal vorangetrieben wurden, gab es drei Varianten. Eine führte von Nürnberg über Amberg nach Regensburg, scheiterte aber daran, dass zwischen Högen und Aichazandt zwei Tunnel hätten gebaut werden müssen. Repro: Historischer Verein
1000 Jahre Wunsch der Regierenden. Karl der Große versuchte diesen Traum 793 vermutlich als Erster zu realisieren. Dabei spielte auch Amberg eine Rolle.

Der Kaiser war reisefreudig, es herrschte Krieg, die Sachsen waren aufmüpfig, Wasserstraßen boten die schnellste Möglichkeit Truppen zu transportieren. Mit für damalige Verhältnisse unvorstellbarem Aufwand entstand die Fossa Carolina, der Karlsgraben, eine Weiherkette, die auf 1800 Metern Länge Rezat und Altmühl, Main und Donau verband.

"Sie wurde genutzt, wie lange und in welchem Umfang, wissen wir nicht", heißt es in einer Presse-Info des Historischen Vereins, der am Dienstag, 8. Dezember, zu einem Vortrag zum Thema anbietet. Dabei geht es nicht nur um den Karlsgraben, sondern auch um die Amberger Linie, die helfen sollte, Rhein und Donau zu verbinden. Es spricht Kreisheimatpfleger Dieter Dörner. Los geht's um 19.30 Uhr im Bildungszentrum (Dreifaltigkeitsstraße.

Neue, nicht realisierte Pläne vor 400 Jahren und schließlich Kanal-baufieber in napoleonischer Zeit folgten. In Bayern wollte man nicht nachstehen. König Ludwig I. konnte sich für den Plan eines Kanals begeistern, obwohl die Eisenbahn als Konkurrent bereits unter Dampf stand. 1836 wurde mit den Planungen des Ludwig-Donau-Main-Kanals begonnen, zehn Jahre später war er fertiggestellt. Ausgelegt für maximal 120 Tonnen war dieser bereits wenige Jahre nach Inbetriebnahme schon technisch überholt. 600-Tonnen-Schiffe waren in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in der Binnenschifffahrt Standard. So gab der König Ende des Jahrhunderts Neuplanungen in Auftrag. Es galt, den Württembergern zuvorzukommen, die einen Kanal vom Neckar zur Donau realisieren wollten.

Unter Einbeziehung des Mains wurden bald über ein Dutzend Trassen geplant und wieder verworfen. Letztlich einigte man sich auf einen Verlauf vom Main ab Bamberg bis Nürnberg. Von hier zur Donau gab es wiederum mehrere in Erwägung gezogene Linienführungen, beispielsweise eine von Nürnberg über Hersbruck, das Förrenbachtal zur Lauterach, der Vils und weiter über die Naab zur Donau. Letztlich konzentrierten sich die Planer auf drei mögliche Trassen: Die Steppberger Linie (auch Neuburger Linie) von Nürnberg auf geradem Weg über Treuchtlingen zur Donau, die Beilngrieser Linie, weitgehend identisch mit dem heutigen Verlauf des Kanals, und schließlich die Amberger Linie mit vielen Vorteilen gegenüber den anderen Trassen. Sie hatte jedoch auch einen Nachteil, weshalb der Plan der Trassenführung von Nürnberg über Hersbruck, Hartmannshof, Sulzbach, Amberg, Schwandorf, Burglengenfeld nach Regensburg Anfang der 1920er Jahre verworfen wurde: Die Scheitelhaltung zwischen Högen und Aichazandt mit einem bis zu 7,5 Kilometer langen Doppeltunnel durch den Jura. Das war nicht machbar.

Der Vortrag der Regionalgruppe des Historischen Vereins findet in Zusammenarbeit mit der Katholischen Erwachsenenbildung im Bildungszentrum an der Dreifaltigkeitsstraße 3 statt. Gäste sind willkommen. Der Eintritt ist frei.
Weitere Beiträge zu den Themen: Dezember 2015 (2649)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.