Die wilden 13 und der Mensch

So ist er, der Mensch: Der 13 Schauspieler umfassende Jugendtheaterclub befasst sich in seinem neuen Stück mit der "Conditio humana". Bild: Steinbacher

Beifallsstürme für den Jugendtheaterclub: Mit ihrem selbst kreierten Stück "Ach Meeensch" boten die 13 Nachwuchsschauspieler Theater in seiner reinen Form.

Was ist der Mensch? Was macht sein Mensch-Sein aus? Wo steht er in Gesellschaft anderer Menschen? Welches Verhalten legt er im Umgang mit seinen Mitmenschen an den Tag? Antworten auf diese Fragen suchten die 13 Mitglieder des Jugendtheaterclubs im Stück "Ach Meeensch", das im Stadttheater Premiere hatte.

Versatzstücke der Meister

Der Club hat für seinen diesjährigen Auftritt zusammen mit Regisseur Winfried Steinl selbst ein Stück entwickelt, für das sich die jungen Akteure auf eine Reise durch Literatur und Wissenschaft, Philosophie und Theologie begaben, um die "Conditio humana" zu erkunden. Versatzstücke und Zitate großer Geister haben die Akteure zum Teil sehr geschickt mit eigenen Texten und durch ganze Szenen ergänzt und es dabei geschafft, ein in sich stimmiges Gesamtwerk entstehen zu lassen.

Die Aussagen zu Mensch und Sein aus 2000 Jahren Kulturgeschichte ließen dabei erschreckenderweise erkennen, dass der Mensch sich trotz des enormen technischen Fortschritts nicht sehr viel weiterentwickelt hat und in einem ziemlich frühen Stadium seines Werdens stecken geblieben ist. "Ach Meeensch" zeigt das Subjekt als solches und sein Interagieren in der Gesellschaft. Mit teils witzig-ironischen, aber auch nachdenklich stimmenden Szenen hielt das Stück dem Publikum einen Spiegel vor.

Und wie im richtigen Leben ragten aus dem Bühnenkosmos besonders die Einzelgänger und Außenseiter hervor, wie etwa der romantische Teenager, der mit Freunden ins Kino geht und nach zwei Stunden "Star Wars"-Geballer enttäuscht fragt, wo denn nun das Schiff und der Eisberg waren. Weitaus ausgegrenzter als die jugendliche Filmkonsumentin sind in der Realität die Flüchtlinge. Gerade in unserer Zeit, in der sich im Mittelmeer Dramen auf Leben und Tod abspielen, bleibt angesichts von Szenen, in denen Fremde verzweifelt versuchen, nicht mehr fremd zu sein und "dazuzugehören", beim Zuschauer wenn nicht Nachdenklichkeit, so doch ein eher unangenehmer Nachgeschmack zurück.

Kritisch setzte sich das Stück auch mit dem Thema Religion auseinander. Die drei großen monotheistischen Glaubensrichtungen - Judentum, Christentum und Islam - gehen davon aus, dass ein guter Gott die Menschen nach seinem Ebenbild geschaffen hat und dieser darum auch von vornherein gut sei. Leider beansprucht jede Gemeinschaft das "gut sein" für sich und spricht es den anderen ab. Die jungen Autoren haben das Paradox, dass jeder, der für sich in Anspruch nimmt, das Gute zu verteidigen und das Böse zu bekämpfen, letztendlich doch nur Böses tut, hervorragend umgesetzt und erfahrbar gemacht.

Große Probleme und kleine Spitzfindigkeiten fanden sich in den meisten Szenen des menschlichen Bilderbogens, den der Jugendtheaterclub gekonnt inszeniert hat. Mit viel Talent und noch mehr Leidenschaft zeigten die 13 Nachwuchs-Schauspieler, dass es nicht nur den großen Bühnenstars vorbehalten ist, das Publikum zu begeistern, sondern dass man auch mit relativ geringen Mitteln - als Requisiten dienten beispielsweise nur einige Stühle - und dafür mit viel Engagement, eine große Wirkung erzielen kann.

Erbaulicher Abend

Was "Ach Meeensch" bietet, ist Theater in seiner reinen Form: Ein kluges Stück, unterhaltend und doch auch - ohne erhobenen Zeigefinger - in gewisser Weise belehrend, und, wie es die Altvorderen formulieren würden, den Charakter des Menschen bildend und erbauend. Die Zuschauer wussten dies zu schätzen und überschütteten den Jugendtheaterclub und seinen Regisseur Winnie Steinl mit wahren Beifallsstürmen.
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