Die Wipfelstürmer

Schon bei diesem Anblick tut dem Normalbeweglichen etwas weh. Die Baumkletterer müssen recht gelenkig sein. Sie sind mit professioneller Ausrüstung ausgestattet und so gut wie möglich gesichert. Bilder: Steinbacher (2)

Sie hantieren mit Kettensägen in luftiger Höhe. Auf einer Leiter sei es gefährlicher, sagt einer von ihnen. Als Baumkletterer muss er's wissen.

Rund um die Altstadt waren sie in der vergangenen Woche kaum zu übersehen, die gelenkigen Männer, die im Stadtgraben in den Baumkronen herumturnten und die Äste stutzten. Zu fünft gingen sie ihrer Arbeit nach, im Auftrag der Stadt.

Vor allem Bestandspflege

Gründe für das Ausdünnen der Bäume gibt es mehrere. "Wir betreiben in erster Linie Bestandspflege. Wir prüfen, ob die Bäume standsicher sind. Wenn sie das nicht sind, dann müssen sie gegebenenfalls gefällt werden", erklärt Henrik Schreiber, einer der Kletterer. "Außerdem würde hier sonst alles zuwuchern, und das würde auch älteren Bäumen schaden, die es zu erhalten gilt."

Wenn die Spezialisten in einigen Metern Höhe mit ihrer Kettensäge hantieren, dann bekommt der Beobachter schnell den Eindruck: Das ist wahrscheinlich ein verdammt gefährlicher Job. Man kann sich täuschen: "Einen Unfall beim Klettern gab es bei uns noch nie", erzählt Henrik Schreiber, "die meisten Unfälle bei der Baumpflege passieren überraschenderweise nicht in den Wipfeln, sondern einfach auf der Leiter."

Auch im August, als neben Schreiber und seinen Kollegen die Temperaturen ebenfalls nach oben kletterten, waren die Männer unterwegs. "Im Schatten der Bäume war es auszuhalten. Bei Arbeiten im Baum selbst mussten wir teilweise Mittag Schluss machen", blickt Henrik Schreiber auf diese heißen Einsätze zurück.

Die Stadt Amberg ist nicht nur am Erhalt alter Bäume interessiert. Sie hat zudem die Pflicht, für die sogenannte Verkehrssicherung zu sorgen. Die Baumpfleger müssen also potenzielle Gefahrenherde für Passanten und Fahrzeugführer beseitigen. Das geht natürlich nur mit professioneller Kletterausrüstung.

Auch der Erhalt des Stadtbildes spielt eine wichtige Rolle beim Einsatz der Männer. "Die Aufgabe der Arbeiter ist es, Sichtachsen in die Bäume zu schneiden, um den Blick auf die historische Stadtmauer und die darin integrierten Türme freizuschneiden", erläutert Michael Berschneider von der Stadt Amberg. Schließlich sollen Touristen und die Einheimischen selbst von der schönen Altstadt auch etwas sehen.

Schwer für Quereinsteiger

"Bei den Arbeitern handelt es sich um zertifizierte Baumkletterer", berichtet Berschneider. Dafür sei aber keine Ausbildung nötig. Vielmehr handelt es sich um eine Weiterqualifikation. Zwar könne man auch als Quereinsteiger die entsprechende Fortbildung machen. Bei der Suche nach einem Job als Kletterer werde es dann trotzdem eher schwierig. Ideal wäre laut Berschneider eine vorherige Ausbildung zum Landschaftsgärtner oder zum Waldarbeiter.
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