Die Würde der Gefallenen

Gabriele Wennicke (rechts) freut sich, dass junge Mitglieder der kurfürstlichen Schlosswache, darunter ihre Tochter Katharina und Helmut Eisenhut, die Pflege der Soldatengräber übernehmen. Bild: Huber

127 Soldatengräber gibt es im Katharinenfriedhof. Bislang haben sich Freiwillige der Militärkameradschaft darum gekümmert und sie vor Allerheiligen hergerichtet - Jahr für Jahr. Längst ist diese Arbeit für die Männer zu beschwerlich geworden. Eine Lösung aber ist schon gefunden.

Gabriele und Gerd Wennicke gehören der Militärkameradschaft an, sie sind aber zugleich in der kurfürstlichen Schlosswache engagiert. Als die Eheleute bei der Adventsfeier der Militärkameradschaft im vergangenen Jahr hörten, dass die Männer, die inzwischen alle über 80 sind, schweren Herzens die Pflege der Soldatengräber aufgeben müssen, hatten sie sogleich eine Idee - und stießen auch bei den jungen Leuten der Schlosswache auf offene Ohren. Denn die Jugendlichen übernehmen das, was die Mitglieder der Militärkameradschaft aus alters- und gesundheitlichen Gründen nicht mehr leisten können.

"Man tut das für andere"

Am Samstag, 17. Oktober, steht der erste Arbeitseinsatz auf dem Programm. Mit Eimern und Bürsten rücken dann zwölf Leute der kurfürstlichen Schlosswache an, die zwischen 15 und 32 Jahre alt sind, um die Soldatengräber zu säubern. Für Katharina Wennicke (24) und Helmut Eisenhut (32) ist dies eine Selbstverständlichkeit. "Man tut das nicht für sich, man tut was für andere", sagt Eisenhut. Überlegen musste er nicht, als die Wennickes ihn gefragt hatten. Er habe sofort zugesagt - wie auch all die anderen. "Die Militärkameradschaft ist ganz glücklich", berichtet Gabriele Wennicke. Lachend erzählt sie, dass das zweitjüngste Mitglied der Schlosswache (Der Kleine ist gerade mal zwei Jahre alt) mit seiner Mama zum Putzen kommen wird.

150 Rosen und Grünzeug

Und auch einige Frauen des Bürgertreffs schließen sich an, helfen beim Säubern der Gräber und beim Binden der Allerheiligen-Gestecke. "Im Katharinenfriedhof liegen auch Soldaten aus der ehemaligen Sowjetunion und den früheren Ostblockstaaten, erklärt Gabriele Wennicke. Unterstützung bekommen die Freiwilligen auch von der Stadt. Dank eines Zuschusses können Material für die Gestecke und Kerzen angeschafft werden. Eine Gärtnerei gibt 150 Rosen für den Grabschmuck zum Selbstkostenpreis ab. Außerdem haben Privatleute und auch das städtische Forstamt Grünzeug gespendet.

Nach der Putzaktion am Samstag werden die Freiwilligen sich nächste Woche treffen, um die Gestecke zu fertigen. "Die Mutter eines Vereinsmitglieds hat uns dafür ihren Keller zur Verfügung gestellt." Am 31. Oktober werden die Gräber geschmückt, die Kerzen angezündet. "Mir war sofort klar, dass ich da helfen möchte", erinnert sich Katharina Wennicke. Sie sieht es als ihre Pflicht an, das fortzuführen, was die Militärkameradschaft jahrzehntelang getan hat. "Es gab damals wohl keine Familie, von der nicht der Großvater, der Vater, der Bruder oder der Mann in den Krieg musste." Die 24-Jährige ist dankbar, dass der Vater ihrer Mutter überlebt hat. "Unsere Familie hatte Glück, sonst säßen Mama und ich nicht hier." Ihr verstorbener Großvater Hans Kowar war als Kriegsgefangener in Frankreich und hatte den Grundstock für die Städtepartnerschaft Amberg - Périgueux gelegt. "Das hat uns alle geprägt", sagt seine Enkelin. Auch in Eisenhuts Familie hat der Weltkrieg Spuren hinterlassen: "Mein Großvater ist vermisst."

Nationalität ist unwichtig

Die Jugend der kurfürstlichen Schlosswache sieht den Einsatz nicht als einmalige Aktion, vielmehr will sie sich Jahr für Jahr um die Gräber kümmern. Das Mindeste, was man für die Würde der Gefallenen tun könne, sei, dafür zu sorgen, dass sie eine ordentliche Ruhestätte hätten, sagt die 24-Jährige. "Und es ist absolut unwichtig, welcher Nationalität sie angehören." (Angemerkt)
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