Die Zukunft glänzt im Westen

Andriy Gordiyenko, Generaldirektor der Ukrainian Kaolin Company, beim Gespräch in der Amberger Zeitung. Der bekennende Europäer sieht keine Alternative zum Weg nach Westen für sein Land. Bild: Steinbacher

Der Weg der Ukraine führt nach Westen. Das sagt Andriy Gordiyenko, Generaldirektor der Ukrainian Kaolin Company. Er ist einer, der mit dumpfem Nationalismus überhaupt nichts am Hut hat. Denn seine Muttersprache ist Russisch - doch sein Herz schlägt europäisch.

Russisch als zweite Amtssprache im Osten des Landes zu verbieten, so betont Andriy Gordiyenko, das sei ein großer Fehler der neuen Regierung gewesen. Warum kann seine Heimat nicht so sein wie die Schweiz, wo gleich vier Sprachräume friedlich neben- und miteinander existieren? "Aber wir gehören nach Europa, denn wir haben die gleichen Werte", sagt Gordiyenko auf der anderen Seite. Russland ist für ihn gleichbedeutend mit Stillstand und Rückschritt, die Zukunft der Ukraine aber leuchtet hell im Westen.

Muttersprache: Russisch

Seit acht Jahren arbeitet der heute 38-Jährige für die Ukrainian Kaolin Company (UKC), einer Tochter der Hirschauer AKW. "Ich bin in Dnjepropetrowsk aufgewachsen, da reden die Menschen Russisch", erzählt er. Natürlich spricht er außerdem fließend Ukrainisch, kann gut Polnisch, beherrscht nahezu fehlerfrei Deutsch und Englisch. Andriy Gordiyenko träumt von einem Schüleraustausch für seine Kinder mit einer Amberger Schule, kommt alle drei Wochen nach Hirschau und fühlt sich sichtlich wohl in der Ersten Welt.

Gordiyenko kennt aber auch die andere Seite sehr gut. Mit Russland unterhält sein Unternehmen seit vielen Jahren gute Geschäftsbeziehungen, die übrigens auch durch die aktuelle Krise nicht sonderlich gestört sind, wie er betont. "Durch den Ostteil der Ukraine können zwar derzeit keine Züge fahren, aber ansonsten klappt das ganz gut", so sagt er. "Für die Russen gibt es einen großen Feind: Das sind die USA, die Druck auf Europa ausüben." Das Problem ist in den Augen von Andriy Gordiyenko auch nicht nur der russische Präsident Wladimir Putin. Seien die meisten Russen vor zehn oder 15 Jahren noch sehr pro-westlich eingestellt gewesen, stelle er jetzt zunehmend einen Rückfall in die Denkmuster des 19. und 20. Jahrhunderts fest. Immer öfter sehe er in den Büros seiner Geschäftspartner nationalistische Symbole, gerade in den vergangenen Jahren werde der Sieg im Zweiten Weltkrieg wieder sehr stark in den Vordergrund gestellt.

Russland ist rückständig

Dabei sei Russland nach wie vor ein sehr rückständiges Land. "Dort basiert doch alles auf Öl und Gas", so sagt der Ukrainer. "Aber ansonsten ist seit 100 Jahren nicht viel passiert." Er erzählt von den ärmlichen Hütten, in denen die Menschen außerhalb der glänzenden Metropolen hausen, von schlechten Straßen und mangelhafter Infrastruktur. "Zwischen Moskau und St. Petersburg gibt es ja noch nicht einmal eine Autobahn."

Aber die Russen werden im Ukraine-Konflikt nicht nachgeben, da ist sich Andriy Gordiyenko sicher. "Sie wollen zeigen: Wir sind eine starke Nation." Die Annektion der Krim sei so ein äußeres Zeichen gewesen, sagt er. Aber eben nur ein äußeres: "Heute ist es für Russen schwieriger, die Krim zu erreichen, als dies früher der Fall war." Und die geplante Verbindungsbrücke über das Meer hinweg werde nun wohl auch nichts.

Andriy Gordiyenko kann mit so rückschrittlichen Politikmustern nicht viel anfangen, das macht er im Gespräch immer wieder deutlich. Schon aus diesem Grund plädiert er für eine Orientierung seiner Heimat zu den Ländern Mitteleuropas. Die Ukraine, sagt er, solle zeigen, wie es möglich ist, dass Menschen unterschiedlicher Herkunft friedlich miteinander leben können. Geld allein löse das Problem nicht, gefragt seien Werte wie Toleranz.

Hilfe für die Ärmsten

Gordiyenko nennt seine Firma als Beispiel: Hier werde nach westlichen Maßstäben gearbeitet. Die Leute verdienen anständig, ohne natürlich an das West-Niveau heranzukommen. Das Unternehmen engagiere sich in Glukhovtsy, dem 2000-Einwohner-Dorf in der Zentral-Ukraine, auch sozial, habe vor Weihnachten eine Spendenaktion für die 200 Ärmsten der Einwohner gestartet. "Für die Menschen ist es wichtig, in einen Westunternehmen zu arbeiten", sagt Gordiyenko.

Und nach wie vor gilt Deutschland als großes Vorbild: "Die Planung ist in Deutschland ein heiliger Prozess. Die Russen dagegen haben keinen Plan, sie haben Ideen."
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