Dieses Netz fängt Wunder ein

Projektleiterin Hildegard Legat (rechts) stellt das Projekt Wundernetz vor. Gebärdendolmetscherin Kathleen Entrich (links) übersetzt simultan für gehörlose Besucher der Auftaktveranstaltung im Wintergarten der Mensa der OTH.

Meist reden Politiker über Menschen mit Behinderungen. Nur ganz selten tun sie das aber mit ihnen. Die Aktion Wundernetz will hier Brücken bauen.

Den Anstoß hat die offene Behindertenarbeit (OBA) der Lebenshilfe gegeben. Das auf drei Jahre angelegte Projekt, gefördert von der Aktion Mensch, basiert auf einem weit verzweigten Netzwerk, das auch Unterstützung durch die Stadt Amberg und den Landkreis Amberg-Sulzbach findet.

Unter Inklusion versteht die Aktion Mensch, dass Menschen mit und ohne Behinderung gleichberechtigt an allen Bereichen der Gesellschaft teilhaben und sie mit gestalten können - und zwar von Anfang an und unabhängig von individuellen Fähigkeiten. Barrieren für Menschen mit Handicap sollen abgebaut, die Einstellung der Öffentlichkeit zu Betroffenen soll normalisiert werden.

Weg von der Fürsorge

Das bedeutet einen Wechsel der früheren Politik der Fürsorge hin zur Forderung nach der Befähigung aller Menschen an einer echten Teilhabe und selbstbestimmtem Leben. Menschen mit Behinderung sollen nicht mehr in eigens für sie geschaffenen, abgeschlossenen Sozialräumen neben der Gesellschaft stehen, sondern unmittelbar mit gleichen Chancen und mit gleichen Rechten an Bildung, Kultur und allen gesellschaftlichen Bereichen teilnehmen. Als Hildegard Legat, Leiterin der OBA, Anfang 2014 ihre Suche nach Projektpartnern begann, hätte sie nicht im Traum so viel Resonanz erwartet. Nun konnte sie das Projekt in der Mensa der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH) vorstellen.

Durch persönlichen Kontakt verändert sich oft die Einstellung zu Menschen und Themenfeldern, die man bisher nur theoretisch kannte. Daher will das Wundernetz vor allem die Möglichkeit zu positiven Begegnungen schaffen, um Vorbehalte und Hürden in den Köpfen abzubauen.

Menschen mit Handicap arbeiteten von Anfang an am Projekt mit. Die jugendlichen Teilnehmer der Integrativgruppe "Hand in Hand" entwickelten den Namen "Wundernetz". Er steht für das Staunen und die Freude darüber, wie viele Menschen miteinander in Kontakt gebracht werden. Insgesamt haben bisher 28 Menschen mit geistiger, körperlicher und psychischer Behinderung ihre Mitwirkung zugesagt. "Ein umwerfendes, unerwartet hohes Interesse", freute sich Hildegard Legat. Sie nehmen an den Arbeitsgruppen teil und bestimmen den weiteren Verlauf des Projekts, als Vertreter ihrer Interessen und Bedürfnisse.

Interessierte melden

Interessierte Dozenten und Studenten können sich jederzeit gerne bei Hildegard Legat melden. "Wir hoffen auch noch auf weitere Menschen mit Handicap, besonders mit Sinnesbehinderungen, die an der Barrierefreiheit der Angebote mitarbeiten möchten." Und: "Wir wollen keine weiteren Schonräume errichten, sondern bewirken, dass behinderte Menschen überall selbstverständlich aufgenommen werden und gegebenenfalls nach ihren Bedürfnissen unterstützt werden."

Selbst Initiative zeigen

Ein wichtiger Lernschritt für viele Menschen mit Lernbehinderung werde es sein, selbst Initiative zu zeigen und Schwierigkeiten aktiv mit zu beseitigen. Sie kennen bisher zumeist nur Angebote aus den familiären oder beruflichen Schonräumen. Eine Grundvoraussetzung für sie ist es daher, sich in den Arbeitsgruppen wohl und wertgeschätzt zu fühlen, damit sie sich auch trauen, ihre Bedürfnisse zu vertreten.
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