"Dollarzeichen vor den Augen"

Die Herren vollführten Tänze auf internationalem Finanzparkett. Banken in Dubai und Manila spielen tragende Rollen, auch Konten in Schottland und Hongkong kommen vor in einem Prozess, der sich nun vor einem Gericht mitten in Bayerns Provinz abspielt. Mit Summen, die fast schon schwindelerregend sind.

Renditen mit nahezu 1000 Prozent waren mitunter angesagt. Unverständlich für Menschen, die für ihr sauer Erspartes fast nichts mehr an Zinsen kriegen. Vor dem Amberger Landgerichtsgebäude sagte jemand, der den Prozess gegen einen 54-jährigen Finanzmakler verfolgt: "Manche haben eben nur noch Dollarzeichen vor Augen, wenn man ihnen solche Angebote macht."

Zum Beispiel dieses: "Gib 452 000 Euro und erhalte innerhalb einer Woche zwei Millionen US-Dollar zurück." Vier Zeugen gab es bisher, die vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts ein Aussageverweigerungsrecht besaßen. Davon machten sie Gebrauch. Doch der fünfte, angereist aus der Schweiz, schilderte in Gegenwart seines Rechtsbeistands Dr. Albrecht Göring (München), was ihm an Ungemach widerfuhr.

Der 70-Jährige war Hauptgeschädigter. Oder anders: Er kam in rund zwei Dritteln der von Staatsanwalt Dr. Andreas Gietl (Weiden) erstellten elfseitigen Anklageschrift als Protagonist vor. Auf den Konten des Eidgenossen fehlen 2,5 Millionen Euro. Dabei hatte er sich runde zehn Millionen auf der Habenseite erhofft.

Renditen wie im Märchen

Renditen wie im Märchen. Zahlbar meist nach nur wenige Tage gewährten Darlehen. Der Unternehmer aus Helvetia, offenbar recht wohlhabend, zappelte in über einem Dutzend Fällen als Geldgeber an einer Angel, deren Haken er nicht spürte. Er zahlte und zahlte. 14 Monate lang. Von August 2013 bis Oktober 2014. Unverdrossen überwies der Eidgenosse auf Konten in aller Welt.

Dass er mit dem 54-jährigen Amberger im Kontakt stand, ließ der Mann anklingen. Aber zudem auch mit Leuten wie einem angeblichen Diplomaten, mit Bankern, Treuhändern und einem Anwalt aus dem Raum Amberg-Sulzbach. Alle seiner Meinung nach honorig und glaubwürdig. So wie ein gewisser Wolfgang S. (68), den man in Weiden heuer elf Jahre hinter Gitter schickte.

Dieser Wolfgang Arthur S., bekannt geworden als "Mallorca-Betrüger", zieht sich wie ein roter Faden durch das spektakuläre Verfahren. Der jetzt angeklagte Finanzmakler aus Amberg soll sein "Chefberater" gewesen sein, zeichnete in seinem Namen. Von daher kam der Makler auch mit dem Unternehmer aus der Schweiz in Kontakt, warb ihn als Darlehensgeber an. Das steht nach dem nunmehr vierten Verhandlungstag fest. Doch ungewiss ist: Hat der Makler etwas getan, das ihm als Makel angerechnet werden kann? Handelte er womöglich in gutem Glauben?

500-Millionen-Euro-Konto

Mit welchen Versprechen wurden die Geldgeber geködert? Bei dem 70-jährigen Schweizer stellte sich heraus: Er hörte von einem 500-Millionen-Euro-Konto, das nur mit durch Darlehen finanzierten Gebührenzahlungen freigegeben werde. Der Eidgenosse erfuhr ferner von über 800 Millionen Dollar, die irgendwo deponiert seien. Da machte er mit und hoffte auf astronomisch hohe Renditen. In seinem Fall: 2,5 Millionen Euro, für die es nahezu zehn Millionen hätte geben sollen.

Geld bleibt verschwunden

Bis heute ist das Geld weg. Verschollen in dunklen Kanälen. Wo sein Vermögen versickerte, hätte der Unternehmer aus Zürich in Amberg gerne erfahren. Doch die Strafkammervorsitzende Roswitha Stöber machte ihm wenig Hoffnung. Ihr Antwort: "Das wüssten wir selber gerne."
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