Dr. Jens Trögner informiert beim Ratgeber Gesundheit im Klinikum
Schmerz wird oft unterschätzt

Ältere Menschen klagen seltener über Schmerzen, weil sie glauben, dass Schmerzen im Alter einfach dazugehören.
Im höheren Lebensalter nehmen chronische Schmerzen zu. Sie werden aber seltener als bei jüngeren Menschen angemessen behandelt. Einen Grund dafür nannte Dr. Jens Trögner, Chefarzt für Geriatrie und Frührehabilitation am Klinikum, beim "Ratgeber Gesundheit": "Ältere Menschen klagen seltener über Schmerzen, weil sie glauben, dass Schmerzen im Alter einfach dazugehören. Deshalb erfährt der Arzt oft erst gar nicht, dass die Patienten Schmerzen haben." Schmerzen hätten ein Gedächtnis: Dauern sie länger könnten sich verstärken und nach dem Wegfall der Ursache bleiben. Damit Schmerzen eben nicht chronisch werden, sollten die Betroffenen rechtzeitig zum Arzt gehen.

Schwierig sei es, wenn der Patient sich nicht mehr richtig mitteilen könne: nach einem Schlaganfall, bei einer Parkinson-Erkrankung oder bei Menschen mit Demenz. "Dann muss der behandelnde Arzt auf andere Hinweise auf Schmerzen achten", so Dr. Trögner. "Schwitzen, ein erhöhter Pulsschlag oder auch Abwehrreaktionen der Patienten, wenn sie umgelagert werden sollen, können beispielsweise auf Schmerzen hindeuten."

In seinem Vortrag ging Dr. Trögner auf häufige Schmerzerkrankungen wie Arthrose, chronische Rückenschmerzen oder Osteoporose, auf deren Ursachen und auf Präventionsmöglichkeiten ein. Neben einer gesunden, ausgewogenen Ernährung spiele vor allem die regelmäßige Bewegung eine Rolle: "Dadurch werden die Knochen, Muskeln, Sehnen und Gelenke gestärkt und somit kann Stürzen vorgebeugt werden", erklärte er. "Wichtig ist immer, dass man sich nicht zu viel zumutet."

Die Schmerzen längerfristig mit Medikamenten zu behandeln, sei oft ein Problem: "Viele ältere Menschen müssen wegen anderer Erkrankungen sowieso schon mehrere Tabletten täglich einnehmen. Kommen dann auch noch Schmerzmittel dazu, muss man extrem auf mögliche Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten achten", klärte Dr. Trögner auf.

Wichtig: Aktiv bleiben

Nicht unterschätzt werden dürfen laut Dr. Trögner die Auswirkungen chronischer Schmerzen auf die Psyche: Oft gehen solche lang andauernden Schmerzen mit depressiven Symptomen, Schlafstörungen bis hin zu Persönlichkeitsveränderungen einher. "Das führt dann in vielen Fällen zum sozialen Rückzug. Das ist ein Teufelskreis, aus dem die Betroffenen ohne kompetente Hilfe meist nicht mehr herauskommen." Deshalb sei es besonders wichtig, trotz Schmerzen aktiv zu bleiben und soziale Kontakte zu pflegen.

Den nächsten "Ratgeber Gesundheit" am Klinikum gibt es am 14. Oktober. Ab 18 Uhr gibt es von Josef Koller, Facharzt für Urologie, Informationen rund um das Thema "Inkontinenz".
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