Drei Jahre Haft - oder weniger

Es geschieht eher selten, dass der Bundesgerichtshof in Karlsruhe ein Urteil aufhebt und die erneute Verhandlung anordnet. Im Falle eines 51-Jährigen aus dem westlichen Kreis Neustadt/WN taten es die Bundesrichter aber.

Die Juristen des Bundesgerichtshofes waren in ihrer rechtlichen Bewertung des gesamten Tatkomplexes zu einer anderen Auffassung gelangt als das Amberger Landgericht. Also muss nun der Prozess gegen den Mann ein zweites Mal geführt werden. "Wir beginnen von vorn", unterstrich der Kammervorsitzende Dr. Stefan Täschner zum Verhandlungsauftakt in Amberg.

Worum geht es? Um Fernseher, Laptops und andere elektronische Geräte. Sie wurden bei einem Versandhaus in Wernberg-Köblitz gestohlen und dann zu Dumpingpreisen an einen großen Kundenkreis verhökert. Fünf Angeklagte waren heuer vom Landgericht abgeurteilt worden, einer von ihnen sitzt jetzt erneut auf der Anklagebank.

Über einen langen Zeitraum hinweg wurden von einem Bediensteten des Versandhauses Pakete an ihm bekannte Adressaten verschickt, in denen sich wertvolle Ware befand. Ein Trick, der erst viel später auffiel. Bis dahin war ein Schaden in nahezu sechsstelliger Höhe entstanden. Denn in den Sendungen befanden sich statt angeblich bestellter Kabelschächte wertvolle TV-Geräte, Laptops, mitunter auch Digitalkameras und -recorder.

Alles neuwertig und billig

Wegen banden- und gewerbsmäßig begangener Hehlerei hatte der jetzt zum zweiten Mal auf der Anklagebank sitzende Mann in erster Instanz drei Jahre Haft erhalten. Unstrittig ist jetzt in der Neuauflage des Verfahrens: Er hatte neuwertige Geräte aus dem Versandhaus in seinem Umfeld verhökert und dafür Summen erhalten, die in nahezu allen Fällen unter der Hälfte des eigentlichen Verkaufspreises lagen. Fernsehgeräte, die eigentlich 1200 Euro kosteten, wechselten oft für 400 Euro den Besitzer.

Gewiss ist auch: Der 51-Jährige erhielt seine Ware von einem Versandhausbediensteten, der nicht selten sogar Listen bereithielt, nach denen "bestellt" werden konnte. In 39 Fällen soll der mutmaßliche Hehler dann tätig geworden sein.

Welchen Profit erzielte der Mann? Er will, so erzählte er jetzt dem Kammervorsitzenden Stefan Täschner, manchmal 50 Euro "draufgeschlagen" haben. Mitunter auch nur 30 Euro. Oft sei er auch ohne Verdienst aus dem Geschäft gegangen. Deutlich wurde bei seiner Vernehmung: Das Interesse an billigen Geräten, die angeblich keinen Hinweis auf das Versandhaus trugen, war ungeahnt groß und wurde mit zunehmender Zeit immer größer.

Vorsatz gestanden

Richter Täschner ist für klare Worte bekannt. Er ließ den 51-Jährigen ausreden und sagte ihm dann: "Sie wollen hier alles klein halten. Aber Sie sollten auspacken." Nach einem Gespräch mit seinem Anwalt Dr. Georg Karl (Regensburg) räumte der Angeklagte ein, mit bedingtem Vorsatz gehandelt zu haben. Unklar blieb allerdings auch danach, ob er wusste, wo die Geräte herstammten. Das freilich liegt nahe. Denn ihm war bekannt, dass sein "Lieferant" in dem Versandhaus an einer Stelle arbeitete, die es ihm problemlos ermöglichte, statt billiger Gegenstände hochwertige Elektronik versandfertig zu machen.

Gibt es sechs Prozesstage - wie ursprünglich angesetzt - oder doch nur zwei? Es könnte durchaus sein, dass das Verfahren bereits am nächsten Dienstag mit einem Urteil der 4. Strafkammer endet.
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