Dreifaltigkeits-Kinder begleiten Jesus

Ungewöhnlich ist der Kreuzweg in der Dreifaltigkeitskirche - und zwar in mehrfacher Hinsicht. Zum einen sind die Darstellungen direkt auf die Wand des Gotteshauses gemalt. Noch bemerkenswerter ist, dass die Menschen, die Jesus auf seinem Leidensweg begleiten, so dargestellt sind, wie sie Mitte des 20. Jahrhunderts in diesem Amberger Stadtviertel gekleidet waren: Es sind Menschen aus der Dreifaltigkeits-Gemeinde. Die beiden Kinder links im Bild sind ein Beispiel dafür. Bild: Hartl

An Kreuzwegen mangelt es Amberg nicht. Stadtheimatpflegerin Beate Wolters hat für den AZ-Adventskalender einen ausgewählt, den sie für besonders bemerkenswert hält. Auch wenn ihr Mann darin die Bildsprache der Nationalsozialisten wiedererkennt. Doch um die gehe es bei diesem Kirchenkunstwerk überhaupt nicht, betont Wolters.

Zu finden ist dieser besondere Kreuzweg in der Dreifaltigkeitskirche. Einer der jüngsten in Amberg, merkt Wolters dazu an - "und ich denke, auch der unkonventionellste". Gut möglich, dass er außerdem "der flächenmäßig umfangreichste" ist, schließlich erstreckt er sich über die gesamten Wände des Langhauses. "Geschaffen hat ihn Ludwig Angerer", berichtet die Heimatpflegerin, die über diesen Künstler allerdings nicht mehr herausfinden konnte. Sicher sei nur, dass er mit dem namensgleichen Schöpfer der riesigen Christusstatue im Fränkischen nichts zu tun hat.

"Ein bisschen kantig"

"Unser Ludwig Angerer war einfach ein Maler, aber nicht hoch berühmt." Dieser habe den Kreuzweg von Dreifaltigkeit in den 30er Jahren geschaffen. "Und so sieht er auch aus." Wolters verrät lachend: "Mein Mann ist immer entsetzt, wenn ich sage, das ist ein Schatz. Dann erwidert er: Das ist doch Blut und Boden." Tatsächlich sehe die Art der Darstellung "ein bisschen nach Hitlerzeit aus", räumt Wolters ein - "sie stammt ja auch aus dieser Zeit". Deshalb seien die Formen der Gesichter durchaus "ein bisschen kantig", die Figuren sehr robust, massig dargestellt. Aber "die Aussage, die in dem Kreuzweg steckt, hat überhaupt nichts mit Hitler-Deutschland zu tun: Es geht einfach um die Nachfolge Christi. Das ist ja genau das, was die Nationalsozialisten überhaupt nicht wollten." Also keine Nazi-Kunst, betont die Stadtheimatpflegerin: "Dieser Kreuzweg ist wirklich einer, der für die Gemeinde der Dreifaltigkeit geschaffen worden ist."

Gemeinde "verewigt"

Normalerweise würden die 14 Stationen von Jesu Verurteilung durch Pontius Pilatus bis hin zu Kreuzigung und Grablegung in historischen Formen widergegeben. Dreifaltigkeit weiche davon ab. "Das Spannende ist: Wenn Christus sein Kreuz trägt, steht das Volk um ihn herum - und das Volk ist eben nicht das seiner Zeit, sondern das sind Leute aus Dreifaltigkeit." So seien zum Beispiel ein Arbeiter oder Kinder abgebildet - in der Kleidung der 30er Jahre. "Der Kreuzweg wird also ins Hier und Jetzt versetzt. Die Gemeinde, die Christus umgibt, ist die Dreifaltigkeitsgemeinde." Das, betont Wolters, sei "das Schöne, das Unkonventionelle", über das man sich wundern könne, "was aber sehr schön ist". Dazu gesellen sich klassische Figuren. "Das mischt sich einfach." Insgesamt sind es 84 Personen, die Christus zum Kreuz begleiten. Ungewöhnlich sei dabei, dass es keine Tafelbilder sind, oder "Szenen, die als Skulpturen in einen Bildstock gehängt werden": Dieser Kreuzweg ist direkt auf die Wand gemalt. Damit, sagt Wolters, "ist also die Kirche selbst die Landschaft, in der sich der Gang Christi zum Kreuz vollzieht".

Kreuzweg auch Verbindung

Letztlich binde der Kreuzweg "die ganze Kirche zusammen, denn er beginnt am Altarraum und zieht sich die ganze Langhaus-Wand entlang, setzt sich auf der anderen Seite fort und schließt wieder beim Altar ab". Zusammen mit dem Altar und dem Kruzifix bilde er so "wirklich eine der bemerkenswertesten Kirchen-Ausstattungen des 20. Jahrhunderts".

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Der AZ-Adventskalender im Internet:

http://www.oberpfalznetz.de/azadventskalender2014
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