Droge klebt hinter Briefmarken

Symbolbild: dpa

Dieser Trick war völlig neu. Unter den Postwertzeichen zweier Briefe, die an Gefangene in der Justizvollzugsanstalt geschickt wurden, befanden sich Teile von opiathaltigen Fentanyl-Pflastern. Die Absenderin, eine 41-Jährige aus Amberg, wandert nun für längere Zeit hinter Gitter.

Ein Fall, der heuer im Mai für Schlagzeilen sorgte. Nicht grundlos: Damals saß eine 41-Jährige vor dem Amtsgericht, weil sie im Verdacht stand, Rauschgift auf bis dahin nicht gekannte Weise ins Gefängnis auf den Weg gebracht zu haben. Bis zu diesem Zeitpunkt waren die mitunter bemerkenswertesten Arten von Drogenschmuggel aufgeflogen.

Das aber gab es vorher nie: An Gefangene trafen zwei Briefe ein, unter deren Marken sich ausgeschnittene Partikel von sogenannten Fentanyl-Schmerzpflastern befanden. Auf der Innenseite des Kuverts befestigt und deshalb nicht leicht zu entdecken.

Bei Kontrolle bemerkt

Bei einer Postkontrolle in der Haftanstalt fiel der gut getarnte Schmuggel trotzdem auf. Dann wurde die Kripo eingeschaltet und die Absenderin gefunden: Eine drogenabhängige Frau aus Amberg, deren Freund zu dieser Zeit eine Haftstrafe in Amberg verbüßte. Allerdings war er nicht der Empfänger. Vor einer Amtsrichterin gab sich die 41-Jährige später ahnungslos: Sie sei von einem unbekannten Anrufer zum Bahnhof bestellt und damit beauftragt worden, die Briefe zu schicken. "Völlig unrealistisch, das glaubt keiner", befand damals die Richterin und verhängte vier Monate Haft zum Absitzen.

Verteidiger Jürgen Mühl ging in Berufung und argumentierte jetzt vor der 3. Strafkammer des Landgerichts, seine Mandantin habe in gutem Glauben und auf Order gehandelt. Ohne sich diesem Einwand näher zuzuwenden, hielt Oberstaatsanwalt Dr. Thomas Strohmeier mit triftigen Argumenten dagegen. Erstens: "Fentanyl ist in der Oberpfalz zu einem echten Problem geworden." Zweitens: "Die Angeklagte kennt dieses Mittel. Sie hatte Fentanyl-Pflaster von ihrem Arzt verschrieben bekommen." Damit lag nach wie vor der Verdacht nahe, sie selbst habe Stücke des rezeptpflichtigen Schmerzmittelpflasters ausgeschnitten und unter den Briefmarken befestigt.

Schlimmer als Heroin

Was kann man mit solchen Fetzen in der Größe einer Zwei-Euro-Münze tun? Sie werden ausgekocht und der Sud dem menschlichen Körper zugeführt. Eine völlig unberechenbare Art des Rauschgiftkonsums.

"In der Wirkung schlimmer als Heroin oder Morphium", wie Strohmeier aus seiner beruflichen Erfahrung wusste. Deshalb, so hielt er der Angeklagten entgegen, sei Milde völlig ausgeschlossen. Noch dazu bei zwei offenen Bewährungsstrafen.

"Geld aus der JVA"

Diese Meinung teilte auch die Strafkammer unter Vorsitz von Richter Gerd Dreßler. Noch dazu, wie der Vorsitzende wissen ließ, weil es neuerdings aus Vernehmungsprotokollen Hinweise darauf gebe, dass die Frau "aus der JVA Geld bekam". Die dazu vorliegenden Unterlagen wurden kopiert und dem Verteidiger ausgehändigt. Kurze Zeit später zog die 41-Jährige ihren Einspruch zurück.

Das Fentanyl im Briefkuvert dürfte nun dafür sorgen, dass nicht nur vier Monate zu verbüßen sind. Auch die offenen Bewährungen werden mit hoher Wahrscheinlichkeit widerrufen. In der Summe also ein längerer Gefängnisaufenthalt.
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