Drogen-Lady ist abgetaucht

Man hätte es ahnen können. Gegen die Frau, verstrickt in die regionale Drogenszene, bestand ein Haftbefehl. Sie tauchte ab und kam nicht, als ihr Name auf der Zeugenliste eines Prozesses stand.

(hwo) Für einen 34-jährigen Amberger, wegen Rauschgifthandels vor das Schöffengericht geholt, geht es um die Existenz. Der Mann ist Soldat und würde bei einer Verurteilung unzweifelhaft aus dem Dienst entfernt. An der Seite von Anwalt Michael Schüll sagte er jetzt: "Ich habe nichts gemacht." Ist das glaubhaft? Die Justiz wird es erst klären können, wenn eine Frau festgenommen worden ist, die sich auf der Flucht vor den Behörden befindet.

Im Landkreis gewohnt

Die Lady sorgte für Schlagzeilen: Sie wohnte in einem renommierten Gasthof im nördlichen Landkreis, war tief in Rauschgiftgeschäfte verstrickt und bekam dafür zweieinhalb Jahre von einer Strafkammer des Landgerichts. Die Richter billigten ihr im Urteil eine Therapie zu. Diese angeordnete Entzugsmaßnahme wäre kürzlich anzutreten gewesen. Seither fehlt jede Spur von der Frau.

Fest steht: Man muss unbedingt hören, was sie über den 34-Jährigen aus Amberg zu sagen hat. Als ihr die Polizei seinerzeit auf die Spur kam, zur Festnahme und zu Vernehmungen schritt, gab sie angebliche Lieferanten namentlich preis. Auch den Berufssoldaten, der ihr bei vier Lieferungen rund ein Pfund Marihuana zum Verhökern gebracht haben soll.

Der Mann bestreitet das vehement und lieferte vor dem Schöffengericht eine Version ab, die sich völlig konträr zu den Anschuldigungen ausnahm. "Ich hatte mit ihr ein Verhältnis", erzählte er und fügte hinzu, gelegentlich an Freitagen zu ihr gefahren sein. Warum? "Nur wegen sexueller Kontakte." Also kein Rauschgift? "Ich hatte damit nie etwas zu tun."

Marihuana in der Tasche

Wie aber kam es dann, dass Kripofahnder an seinem Dienstort bei einer Durchsuchung mehrere Gramm Marihuana in einer kleinen Tasche sicherstellten? Auch dafür gab es eine Erklärung: "Ich war bei ihr, habe das Verhältnis beendet und meine Sachen abgeholt." Dabei müsse die Frau das Rauschgift in einem unbeobachteten Moment in den Behälter gepackt haben. "Ich", so der 34-Jährige, "habe davon nichts gewusst."

Vergeblich gefahndet

Stimmt das? Wollte die Frau Rache nehmen für die angeblich von ihrem Liebhaber angestrebte Trennung? Dem Schöffengericht blieb nichts anderes übrig, als den Prozess abzubrechen und auszusetzen. Er kann erst dann fortgesetzt werden, wenn die dringend benötigte Zeugin festgenommen worden ist. Eine Amberger Funkstreifenbesatzung, von Richter Peter Jung auf die Suche zum dem Gasthof geschickt, war erfolglos.
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