Drogenfahnder bei Hausdurchsuchung erfolgreich - 33-Jähriger jetzt auf der Anklagebank
Viel Heroin zwischen den Polstern

Eile war geboten. Denn als es draußen an der Tür klingelte und die Kripo mit einem Hausdurchsuchungsbeschluss kam, musste ein Säckchen mit Heroin rasch verschwinden. Es wurde zwischen den Polstern einer Couch versteckt.

Eines haben die meisten Zeugen bei diesem Prozess vor der Ersten Strafkammer des Landgerichts Amberg gemeinsam: Sie sind bei der Polizei als Drogenkonsumenten bekannt, manche schon seit vielen Jahren. Auch der 33-jährige Angeklagte ist kein unbeschriebenes Blatt. Zum Verhandlungsauftakt mochte er zu den von Staatsanwalt Tobias Kinzler erhobenen Vorwürfen nichts sagen.

"Vielleicht im weiteren Verfahrensverlauf", ließ sein Verteidiger Dr. Gunther Haberl anklingen. Der Mann aus Kasachstan sitzt seit Mai letzten Jahres hinter Gittern. Er gehörte zu einer Runde von vier Männern und einer Frau, die in einer Wohnung zwischen Dachelhofen und Schwandorf angetroffen wurden, als dort Drogenfahnder der Kripo Amberg zu einer Durchsuchung ansetzten. Als die Beamten klingelten und ihnen geöffnet wurde, soll der gebürtige Kasache plötzlich mit den Händen hinter sich gegriffen und etwas versteckt haben. Dann - auch das hörten die Richter - langte er nach einer auf dem Tisch liegenden Heroinspritze und setzte sich einen "Schuss" in den Oberschenkel.

Die Fahnder sahen näher nach und entdeckten dort, wo der 33-Jährige auf dem Sofa saß, ein zwischen die Polster geklemmtes Säckchen mit 50 Gramm Heroin. Als später der Wohnungsmieter vernommen wurde, gab er zu Protokoll, der Mann aus Kasachstan habe ihn über Jahre hinweg jede Woche mit fünf Gramm Heroin beliefert. Elf solcher Lieferungen, gebracht zwischen Februar und Mai 2014, hält der Staatsanwalt nun für erwiesen.

Mieter auch in Haft

In dem Prozess geht es nun darum, was dem Mann aus Schwandorf, bei dem die Drogenfahnder 5300 Euro Bargeld beschlagnahmten, nachzuweisen sein wird. Der Wohnungsmieter sitzt zwischenzeitlich ebenfalls in Haft. Er wurde aus der JVA Amberg vorgeführt und machte vor Gericht keine Angaben. Das Aussageverweigerungsrecht hatte ihm zuvor der Strafkammervorsitzende Christian Frey ausdrücklich eingeräumt. Die Frage ist nun, wie weit seine damals bei der Kripo gemachten Angaben verwertbar sind.

Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt. Dann will die Kammer noch einen Zeugen vernehmen, der in seiner Eigenschaft als Polizist bei der Durchsuchung anwesend war und offenbar sah, wie der 33-Jährige bei Eintreffen der Fahnder etwas in dem Sofa versteckte.
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