"Du warst eine ganz hässliche Prinzessin"

Ein Mann als Prinzessin - das gefällt nicht jedem Kind. Archivbild: Huber

Das Konzept dieses Festivals für das junge Publikum geht seit elf Jahren auf. Wenn Kinder Theater gucken, urteilen sie ehrlich und ganz anders als Erwachsene.

Man darf nichts trinken und auch nicht essen. Reden sollte man erst recht nicht, Stillsitzen wäre sowieso das Beste. Nur manchmal sind ganz lautes Klatschen oder vielleicht Buhrufe erlaubt. Trotz der vielen ungeschriebenen Gesetze lieben Kinder das Warten auf den Moment, wenn der Vorhang sich hebt. Meist hochkonzentriert beobachten sie das Geschehen auf der Bühne.

Am Sonntag, 15. März, beginnt das Kindertheaterfestival mit der Preisverleihung an den Vorjahressieger. Seit elf Jahren gibt es diese Veranstaltung im Jugendzentrum. Und sie läuft so gut, dass das Kulturreferat nicht daran denkt, das Konzept zu ändern. Begleitet werden die Aufführungen von Kulturfachkraft Marina Auer - ein Interview.

Was sind denn heuer die absoluten Renner?

Ganz klar: Rabe Socke und die Olchis.

Seit wann sind die beiden Vorstellungen ausverkauft?

Die Karten für Rabe Socke waren schon am ersten Tag weg. Die Olchis wenige Tage später.

War Ihnen schon vorher klar, dass die beiden Publikum ziehen?

Darauf habe ich gewissermaßen spekuliert. Aber dass die Vorstellung so schnell ausverkauft sind, hätte ich nicht gedacht.

Woher kommen die Ideen, welche Ensembles man spielen lassen könnte?

Einerseits bekomme ich sehr viele Bewerbungen, andererseits mache ich auch selbst Recherchen, schaue mir Videos an oder stehe mit anderen Veranstaltern in Kontakt. Wichtiger Punkt bei unserem Kindertheaterfestival ist, dem jungen Publikum möglichst viele unterschiedliche Spielarten von Theater zu zeigen, wobei das immer fließender wird und gar nicht mehr so klar abgrenzbar ist. Und natürlich sollen die Stücke auch einen gewissen pädagogischen Anspruch haben - ohne erhobenen Zeigefinger.

Nach welchen Kriterien werden die Aufführungstermine vergeben?

Ich könnte es mir auch leicht machen und das ganze Festival mit bekannten Stücken füllen, aber das mache ich bewusst nicht, damit die Kinder die Chance haben, sich auch einmal auf Neues einzulassen. Der Sieger von 2014, der am Sonntag, 15. März, noch mal aufgeführt wird, ist das beste Beispiel. Das ist ein Stück von Christoph Buchfink, das sich mit ganz schwierigen Themen wie Mobbing oder sozialer Ausgrenzung beschäftigt und trotzdem Spaß macht. Oder der Talentdieb, der am Dienstag, 17. März, im Programm ist. Darin geht es um den Umgang mit seinen Stärken und Schwächen. Das Stück gefiel mir so gut, dass ich mit dem Ensemble kurzerhand umgeplant habe und statt des eigentlich geplanten Märchens dieses genommen habe.

Gab es schon mal einen totalen "Griff ins Klo" - also eine Vorstellung, die absolut nicht gepasst hat?

Ganz so drastisch ist es noch nicht gewesen. Es ist wie überall, die Darsteller haben gute und schlechte Tage, und dann geht eben auch mal eine Vorstellung daneben. Eine kleine Anekdote kann ich dazu erzählen: Wir hatten einmal ein Stück im Programm, bei dem ein Mann eine Prinzessin spielte und dabei reichlich übertrieb. Nach der Vorstellung stellte sich ein kleines Mädchen an die Bühne und meinte empört: "Du warst eine ganz hässliche Prinzessin." Eine Lektion für mich, darauf zu achten, dass die Stücke nicht allzu sehr in die Clownerie abdriften.

Was war Ihr persönlicher Favorit bisher?

Oh, da fällt es mir schwer, mich zu entscheiden, weil wir so viele tolle Stücke in den letzten Jahren im Programm hatten, wie Petterson und Findus, der kleine Vampir oder das kronkorkenblubbernde Dingsbums. Zum Glück haben wir dafür unsere Kinderjury.

Wie hat sich die Kinderjury bewährt?

Wirklich bestens. Die Kinder urteilen so ehrlich und ganz anders als Erwachsene. Das hilft mir auch sehr, um einschätzen zu können, was unseren jungen Zuschauern gefallen könnte. Die Ensembles sind übrigens auch ganz angetan davon, dass wir eine Kinderjury haben, weil sie eine Beurteilung von denen bekommen, für die sie Theater machen.

Hat sich über all die Jahre etwas am Konzept geändert?

Erstaunlich, aber das Konzept funktioniert so gut, dass wir über die Jahre kaum Änderungen vorgenommen haben. Damit wir nicht betriebsblind werden, haben wir uns im Herbst mit den Amberger Schulen zu einem Erfahrungsaustausch getroffen und durch die Bank positives Feedback zu unserem Festival bekommen. Das freut uns.

Vormittags sind ja täglich Schulen und Kindergärten an der Reihe. Ist hier die Nachfrage nach wie vor ungebrochen?

Ja. Die 9-Uhr-Vorstellungen sind alle ausverkauft. Wir haben nur noch für Dienstag und Mittwoch um 11 Uhr Platz für ein oder zwei Klassen, falls sich noch spontan jemand entscheidet. Nachmittags sind noch Plätze frei am Sonntag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag.
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