Durch Geständnisse an der Haft vorbei geschrammt - Urteil bereits am zweiten Verhandlungstag
Bewährungsstrafen für zwei junge Brandstifter

Sie waren beide zur U-Haft im Gefängnis und müssen nicht mehr hinein. Zwei junge Feuerwehrleute, die kurz vor Weihnachten letzten Jahres in Klardorf große Teile eines Bauernhofes abfackelten (wir berichteten), sind zu jeweils zwei Jahren Jugendstrafe mit Bewährung verurteilt worden.

Sechs Prozesstage waren zunächst anberaumt worden, mehrere Dutzend Zeugen hatten bereits ihre Ladung. Doch dann konnte das Verfahren auf ein Minimum reduziert werden, erübrigte sich die vorab ins Auge gefasste umfangreiche Beweisaufnahme. Denn schon in den ersten Verhandlungsstunden legten die beiden 20-Jährigen Geständnisse vor dem Amberger Jugendschöffengericht ab.

Damit war nicht zu rechnen gewesen. Einer der beiden Angeklagten gab die Brandstiftung an einer Maschinen- und Lagerhalle in Klardorf zwar sofort zu. Doch sein neben ihm sitzender gleichaltriger Freund schüttelte anfangs immer wieder den Kopf. Er saß bis zu diesem Prozess in U-Haft, hatte seine Beteiligung nie eindeutig geschildert. Dann aber sicherten ihm die Richter für sein Geständnis eine Bewährungsstrafe zwischen eineinhalb und zwei Jahren zu. Da ließ er über den Verteidiger Jörg Sodan (Regensburg) die Mittäterschaft einräumen.

Die jungen Männer dienten mit Begeisterung und Eifer bei der FFW Schwandorf. Sie wollten ausrücken, mit ihren Kameraden Bewährungsproben bestehen. Ewig lange warten auf eine ganz große "Nummer" aber mochten sie nicht. Deshalb wurde ein "Einsatz"-Plan geschmiedet. Es reifte die Idee, dem erwünschten Großfeuer quasi mit eigener Hand auf die Sprünge zu helfen.

Zum Glück nur Sachschaden

Eigentlich war die Brandlegung für Heiligabend geplant. "Um nicht", wie einer der 20-Jährigen jetzt sagte, "daheim bei der Familie rumhängen zu müssen." Dann aber wurde das Vorhaben schon am 21. Dezember 2014 in den späten Abendstunden realisiert. Sie fuhren nach Klardorf auf die abgelegene Kulturstraße. Einer blieb im Wagen sitzen, der andere lief zu einem dort stehenden Bauernhof, entzündete Stroh und kehrte sofort zurück.

Während die jungen Feuerwehrmänner Kurs auf Schwandorf nahmen, ging der Piepser, den sie dabei hatten. Hinter ihnen färbte sich der Himmel über Klardorf glutrot. "Da", erinnerte sich jetzt einer der Täter, "ist mir bewusst geworden, was ich angerichtet hatte." Zu diesem Zeitpunkt will er sich auch Gedanken darüber gemacht haben, was vorher als Abmachung galt: "Menschen und Tieren darf nichts passieren." Dass dies so zutraf, war eher eine glückliche Fügung.

"Hat uns jemand gesehen?", fragten sie sich später gegenseitig per SMS. Was beide nicht ahnten, war: Es gab tatsächlich einen Augenzeugen, der sich rasch das Autokennzeichen notierte. Am 22. Dezember kamen die beiden Männer in U-Haft. Der Geständige von ihnen saß bis Februar, der andere blieb bis zur Verhandlung hinter Gittern.

Regulierung droht

Jetzt sind beide Brandstifter wieder auf freiem Fuß. Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Peter Jung verhängte gegen sie jeweils zwei Jahre zur Bewährung. Für Bewährungsstrafen hatten sich neben Staatsanwältin Manuela Zeller auch die Verteidiger Michael Kaplitz und Jörg Sodan ausgesprochen.

Was an den jungen Leuten wohl dauerhaft hängen bleibt, ist der Schaden in Höhe von 300 000 Euro. Wenn sie jemals im Leben zu Geld kommen, wird ihnen die Versicherung des geschädigten Landwirts eine Rechnung präsentieren.
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